Donnerstag, 2. Oktober 2014

Karnak-Tempel und mehr

Nachdem das Bloggen gestern ziemlich lange dauerte, standen wir heute erst um 8 Uhr auf und fuhren dann gleich nach dem Frühstück runter zum Nil, um uns diesmal per Motorboot nach Karnak übersetzen zu lassen (ca. 10 Minuten). Karnak ist eine Art Stadtteil von Luxor, der jedoch vor allem aus der berühmten Tempelanlage besteht, die diverse Rekorde beinhaltet: sie ist die größte Tempelanlange Ägyptens, besitzt (trotz seiner Unvollendung) den höchsten Pylon des alten Ägyptens und natürlich auch den höchsten Obelisken (nur der Lateranobelisk in Rom ist knapp höher). An der Tempelanlage haben über viele Jahrhunderte hinweg seit etwa der 12. Dynastie sämtliche Herrscher, die etwas auf sich hielten an dieser gewaltigen Tempelanlage mitgebaut. Auch nach dem Ende der eigentlich ägyptischen Pharaonenzeit bauten die lybischen, kuschitischen und ptolemäischen Herrscher weiter an dieser Anlage oder hielten sie zumindest in Schuss. Seit der römischen Kaiserzeit jedoch begann diese Anlage zu zerfallen, weswegen es auch einige Bereiche gab, die leider nicht mehr toll erhalten oder sogar gar nicht mehr zugänglich waren. Kaum am Ticketschalter vorbei, wollten uns natürlich wieder einige Leute mehr oder weniger gute Führungen mit mehr oder weniger sinnvollen Beweisen und Angeboten anbieten, die wir allesamt ablehnten. Da auch sonst der ganze Tempel mit Touristen voll war (alleine 4 Kreuzfahrtschiffe hatten gerade am Tempel Anker angelegt), glauben wir aber, dass auch so das Geschäft ganz gut für die „Guides“ lief. Dieser Tempel wurde nicht wie der Luxortempel von einer Sphingenallee bewacht, sondern von einer Widderallee. Dazu sollte man vielleicht erwähnen, dass Thebens Schutztier der Widder und der Gott Amon mit einem Widderschädel auch der wichtigste Gott Thebens war, dem auch der Tempel gewidmet ist. Auch bei diesem Tempel gilt wieder, dass es deutlich den Rahmen dieses Blogs sprengen würde, alle seine Details, Aufbauten und Zusammenhänge darzustellen, weswegen wir auch hier wieder nur ein paar Details aufgreifen.

'Widderallee'
Nachdem der Tempel, wie bereits erwähnt, von verschiedensten Herrschern und Dynastien zu verschiedenen Jahrhunderten errichtet wurde, wirkt der Tempel an manchen Stellen eher unzusammenhängend. Teilweise wurden auch innerhalb des selbigen Raumes der Stil ein wenig verändert, so finden sich etwa im großen gigantisch-beeindruckenden Säulensaal verschiedene Relieftechniken. Auch die Königin Hatshepsut, deren Totentempel wir gestern besichtigten, hat sich hier mit gewaltigen Obelisken verewigt – ihr Ziehsohn und Neffe, der bereits in ihrem Tempel ihr Bild hatte zerstören und teilweise durch sein eigenes ersetzen lassen, fand wiederum kein Gefallen an den Werken seiner Tante und ließ kurzerhand die riesigen Obelisken einmauern. Dies war allerdings angesichts der gewaltigen Größe von 30 Metern nicht ganz gelungen, sorgt aber immerhin dafür, dass wir heute wunderschön erhaltene Obelisken vorfinden können. Die Granitkapelle, die im hinteren bis mittleren Teil zu finden ist, bildet das älteste Element des Tempels, in ihr war auch ursprünglich die heilige Barke (Art Schiff) aufbewahrt. Als wir diese Stelle besichtigen wollten, mussten wir jedoch erst fünf Minuten warten, da sich zuvor auf dem Schrein eine junge Dame für verschiedenste Photos räkelte... Natürlich gehören zur Klischeevorstellung von Ägypten nicht nur Pyramiden und Tempel, sondern auch der Skarabäus: dieser erhielt in den Außenanlagen des Tempels sogar eine eigene Statue aus Granit. Daneben befindet sich eine sehr alte Swimming-Pool-Anlage, die ein rechteckiges Wasserbecken als „holy lake“ beinhaltet. Übrigens ist in Karnak bemerkenswert, dass nicht nur die typischen Ägypter versuchen den Touristen mit ein paar Informationen oder wegzuschaffenden Barrikaden ein wenig Geld aus der Tasche zu locken. Ziemlich weit hinten im Tempel, wo sich bereits kaum mehr Touristen befanden, kam dann ein Militärposten in Uniform und Maschinengewehr vorbei, wie sie ja überall an den Sehenswürdigkeiten stationiert sind, und fing uns an etwas über die Geschichte des Tempels zu erzählen. Wir schafften es dann doch ihn ein wenig abzuwimmeln, indem wir uns übertrieben lange für ein einzelnes Bild interessierten und immer wieder etwas dazu nachlasen, um ihn mit unserer Geschwindigkeit zu langweilen. Das funktionierte tatsächlich und so mussten wir nicht dem schwerbewaffneten Mann erklären, dass er uns keine Tour für Bakschish geben darf. Nach vier Stunden Tempelbesuch in der doch sehr ermattenden Hitze war irgendwann unsere Konzentration am Ende und so beschlossen wir unser zweites heutiges Ziel in Angriff zu nehmen: das Museum von Luxor, in der zahlreiche Mumien und Artefakte ausgestellt sind. Ursprünglich wollten wir zu Fuß zum Museum laufen, da wir den Weg kannten, allerdings trafen wir am Ausgang einen tauben und weitgehend stummen Kutschführer, mit dem wir es dann doch spannend fanden mitzufahren. Nachdem die basalen Sprachkenntnisse der deutschen Gebärdensprache leider nicht mit seiner Gebärdensprache kompatibel waren, verständigten wir uns auch so mit Händen und Füßen und jemand anders kannte seine Gebärde für das Museum, was für uns sehr hilfreich war. Unterwegs sprang auch noch sein Bruder auf, der dann auch ein wenig dolmetschte. Während der Fahrt erfuhren wir dann, dass das Luxormuseum wegen des geringen Tourismus leider zur Zeit deutlich früher zumacht (15 Uhr), als wir damit gerechnet hatten (uns wurden Schließungszeiten wahlweise zwischen 17 und 21 Uhr benannt). Der Kutschenfahrer bewies uns das dann noch, indem er uns auch zum Museum fuhr und das Öffnungszeitenschild zeigte (man ist sich ja nie ganz sicher, wer einem gerade was erzählt...). Also nutzten sie natürlich die Gelegenheit uns zu Einkaufsmöglichkeiten zu fahren, die aber ausnahmsweise nicht das Geschäft ihres Onkels / Bruders etc waren. Sie fuhren uns zu einer Art Touristenkaufhaus. Das Erdgeschoss beinhaltete nur handbemalte Papyri unterschiedlichen Schönheitsgrades (manche waren mit Glitzerstaub versehen), das erste Geschoss nur Statuetten, Holzobjekte, Lampen und Gewürze (offen in Behältern, eingestaubt) und das zweite Geschoss Bücher, Teppiche und „jewelery“. Insh’allah hatten wir tatsächlich fast kein Geld mit dabei, was uns glaube ich schon entgegen kam. Vielleicht sollte man noch dazu erwähnen, dass natürlich auch ein Kaufhaus keine festen Preise hat (mit Ausnahme der Papyri) und man hier auch über den Preis einer Postkarte verhandeln kann – was wir natürlich auch taten. 
Zurück auf unserer Kutsche ließen wir uns dann zu einem echten ägyptischen Bazar fahren (es gibt auch einen eigenen Touristenbazar), auf dem wir auch tatsächlich die einzigen Touristen waren – was natürlich nicht hieß, dass wir die ägyptischen Preise bekamen, sondern uns dennoch die Touristenpreise dargeboten wurden. Wir fanden einen netten jungen Ägypter namens Hassan, dem anscheinend langweilig war und er seine Englischkenntnisse trainieren wollte, da er heute nicht in der Schule war (so erzählte er es uns zumindest, er sah aber eher so aus, als ob er in unserem Alter ist), der mit uns gemeinsam den Bazar erkundete. Vom Bazar selbst gibt es leider keinerlei Photos, da wir die Kamera gut im Rucksack verstauten und uns in den dichten Menschenmassen das erste Mal ein bisschen mehr Sorgen um unser Hab und Gut machten. Auf dem Bazar wurde alles mögliche dargeboten: von Kleidung über Obst, Gewürze, Kochgeschirr oder Waschbecken war hier wirklich alles zu haben, natürlich alles ohne Preisausschreibung – man muss ja ein bisschen verhandeln J Als erstes wollte sich der Schwaig ein traditionelles ägyptisches Gewand kaufen und wir fanden natürlich auch gleich einen Stand, der Männerkleidung bereithielt. Dort probierte er mehrere Gewänder an und wurde natürlich gleich wieder von neugierigen Ägyptern beobachtet und gelobt „you look like real egyptian“ und nach sehr langen, zähen Verhandlungen erstanden wir schließlich das Gewand samt Schal und Mütze. Inzwischen haben wir schon ein paar ganz gute Verhandlungsstrategien und tatsächlich loben uns auch die Ägypter dafür, dass wir gut verhandeln können. Trotzdem liegen unsere gezahlten Beträge mit Sicherheit noch über dem ägyptischen Preis, aber vielleicht nicht mehr ganz so weit davon entfernt. Im Zweifelsfall geht man einfach irgendwann beleidigt, dann holen sie einen meistens schon zurück und bieten einem noch mal einen neuen Preis an. So Ein Kleidungsstück zu kaufen kann dann aber auch schon mal eine halbe Stunde dauern, was man aber auch eher als Erlebnis wahrnehmen und genießen muss. Bei den zahlreichen Obstständen fragten wir immer mal wieder nach den Preisen für Mangos (wir hatten erfahren, dass wohl so 8-10 Pfund pro Kilo der ägyptische Preis wäre), wobei wir meistens Preise zwischen 15 und 20 Pfund erfuhren, da wir immer mit Hassan gemeinsam nachfragten. Auch als er alleine nachfragte, sagte er, dass der Preis 15 Pfund wäre und so entschlossen wir uns dann doch mal dazu frisches Obst trotz den touristischen Preisen zu kaufen. Außerdem erstanden wir auf dem Markt noch allerlei frische Gewürze und Tee, sowie Schals in einem zweiten ähnlichen Kaufhaus. Nach dem mehr oder weniger erfolgreichen Geschäft, das aber auf jeden Fall erlebnisreich war und uns immerhin auch jeweils drei Gläser Tee einbrachte, machten wir uns wieder auf den Rückweg. Diesmal beschlossen wir mal zu versuchen wie echte Ägypten (und somit möglichst günstig) zum Hotel zurückzureisen und nahmen die Staatsfähre (für uns 2 Pfund statt 5 für ein eigenes Motorboot, also 20ct statt 50ct), die aber auch deutlich länger brauchte, um loszufahren und überzusetzen, dafür waren wir auf einem riesigen zweistöckigen Boot mit lauter Ägyptern. Am anderen Ufer angekommen nahmen wir weder Taxi noch Toktok (auch wenn dem die Philine noch hinterhertrauert) und suchten uns einen der Minibusse, die in unsere Richtung fahren. Das braucht natürlich auch deutlich länger, da der Bus wirklich wartet, bis auch der letzte der 15 Plätze besetzt ist und erst dann losfährt. Die Schiebetür bleibt natürlich während der Fahrt offen und man macht sich einfach irgendwann bemerkbar, wenn man rausspringen möchte – kostet dafür auch wieder nur 1 Pfund pro Person statt ca. 10-15 Pfund für das Taxi (für 2 Personen). Zurück im Hotel mussten wir dann feststellen, dass wir wirklich mit Abstand das allerbeste Hotel mit dem genialsten Zimmerservice aller Zeiten haben (siehe Photo)! Nach einem mehrminütigen Lachanfall schließlich verzehrten wir dann noch ein wenig von dem Obst und fielen erschöpft ins Bett. Heute geht es dann weiter ins Tal der Könige und am Abend per Nachtzug zurück nach Cairo – deswegen lässt der nächste Blog vielleicht ein bisschen auf sich warten.
Fahrt mit einer Nilbarke

Der gigantische Tempelkomplex von Karnak als Modell

Massig Bustouristen auch hier


Amun-Re, der ägyptische Urgott (und später auch Sonnengott, deshalb -Re)


Die epische Säulenhalle von Karnak






Vermutlich wesentlich jüngere, christliche Skulpturen

Für den Dani




Mehr für den Dani

;)

Geschenk des Roomservices


1 Kommentar:

  1. Wow! ein echter Ägypter! Und das "Schleiferlklo" ist wirklich herzallerliebst.
    Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich Euren blog liiiiiebe?! Grüße! U

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