Nachdem das Bloggen gestern ziemlich lange dauerte, standen
wir heute erst um 8 Uhr auf und fuhren dann gleich nach dem Frühstück runter
zum Nil, um uns diesmal per Motorboot nach Karnak übersetzen zu lassen (ca. 10
Minuten). Karnak ist eine Art Stadtteil von Luxor, der jedoch vor allem aus der
berühmten Tempelanlage besteht, die diverse Rekorde beinhaltet: sie ist die
größte Tempelanlange Ägyptens, besitzt (trotz seiner Unvollendung) den höchsten
Pylon des alten Ägyptens und natürlich auch den höchsten Obelisken (nur der
Lateranobelisk in Rom ist knapp höher). An der Tempelanlage haben über viele
Jahrhunderte hinweg seit etwa der 12. Dynastie sämtliche Herrscher, die etwas
auf sich hielten an dieser gewaltigen Tempelanlage mitgebaut. Auch nach dem
Ende der eigentlich ägyptischen Pharaonenzeit bauten die lybischen,
kuschitischen und ptolemäischen Herrscher weiter an dieser Anlage oder hielten
sie zumindest in Schuss. Seit der römischen Kaiserzeit jedoch begann diese
Anlage zu zerfallen, weswegen es auch einige Bereiche gab, die leider nicht
mehr toll erhalten oder sogar gar nicht mehr zugänglich waren. Kaum am
Ticketschalter vorbei, wollten uns natürlich wieder einige Leute mehr oder
weniger gute Führungen mit mehr oder weniger sinnvollen Beweisen und Angeboten
anbieten, die wir allesamt ablehnten. Da auch sonst der ganze Tempel mit
Touristen voll war (alleine 4 Kreuzfahrtschiffe hatten gerade am Tempel Anker
angelegt), glauben wir aber, dass auch so das Geschäft ganz gut für die
„Guides“ lief. Dieser Tempel wurde nicht wie der Luxortempel von einer
Sphingenallee bewacht, sondern von einer Widderallee. Dazu sollte man
vielleicht erwähnen, dass Thebens Schutztier der Widder und der Gott Amon mit
einem Widderschädel auch der wichtigste Gott Thebens war, dem auch der Tempel
gewidmet ist. Auch bei diesem Tempel gilt wieder, dass es deutlich den Rahmen
dieses Blogs sprengen würde, alle seine Details, Aufbauten und Zusammenhänge
darzustellen, weswegen wir auch hier wieder nur ein paar Details aufgreifen.
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| 'Widderallee' |
Nachdem der Tempel, wie bereits erwähnt, von verschiedensten
Herrschern und Dynastien zu verschiedenen Jahrhunderten errichtet wurde, wirkt
der Tempel an manchen Stellen eher unzusammenhängend. Teilweise wurden auch innerhalb
des selbigen Raumes der Stil ein wenig verändert, so finden sich etwa im großen
gigantisch-beeindruckenden Säulensaal verschiedene Relieftechniken. Auch die
Königin Hatshepsut, deren Totentempel wir gestern besichtigten, hat sich hier
mit gewaltigen Obelisken verewigt – ihr Ziehsohn und Neffe, der bereits in
ihrem Tempel ihr Bild hatte zerstören und teilweise durch sein eigenes ersetzen
lassen, fand wiederum kein Gefallen an den Werken seiner Tante und ließ
kurzerhand die riesigen Obelisken einmauern. Dies war allerdings angesichts der
gewaltigen Größe von 30 Metern nicht ganz gelungen, sorgt aber immerhin dafür,
dass wir heute wunderschön erhaltene Obelisken vorfinden können. Die
Granitkapelle, die im hinteren bis mittleren Teil zu finden ist, bildet das
älteste Element des Tempels, in ihr war auch ursprünglich die heilige Barke
(Art Schiff) aufbewahrt. Als wir diese Stelle besichtigen wollten, mussten wir
jedoch erst fünf Minuten warten, da sich zuvor auf dem Schrein eine junge Dame
für verschiedenste Photos räkelte... Natürlich gehören zur Klischeevorstellung
von Ägypten nicht nur Pyramiden und Tempel, sondern auch der Skarabäus: dieser
erhielt in den Außenanlagen des Tempels sogar eine eigene Statue aus Granit.
Daneben befindet sich eine sehr alte Swimming-Pool-Anlage, die ein rechteckiges
Wasserbecken als „holy lake“ beinhaltet. Übrigens ist in Karnak bemerkenswert,
dass nicht nur die typischen Ägypter versuchen den Touristen mit ein paar
Informationen oder wegzuschaffenden Barrikaden ein wenig Geld aus der Tasche zu
locken. Ziemlich weit hinten im Tempel, wo sich bereits kaum mehr Touristen
befanden, kam dann ein Militärposten in Uniform und Maschinengewehr vorbei, wie
sie ja überall an den Sehenswürdigkeiten stationiert sind, und fing uns an etwas
über die Geschichte des Tempels zu erzählen. Wir schafften es dann doch ihn ein
wenig abzuwimmeln, indem wir uns übertrieben lange für ein einzelnes Bild
interessierten und immer wieder etwas dazu nachlasen, um ihn mit unserer
Geschwindigkeit zu langweilen. Das funktionierte tatsächlich und so mussten wir
nicht dem schwerbewaffneten Mann erklären, dass er uns keine Tour für Bakschish
geben darf. Nach vier Stunden Tempelbesuch in der doch sehr ermattenden Hitze
war irgendwann unsere Konzentration am Ende und so beschlossen wir unser
zweites heutiges Ziel in Angriff zu nehmen: das Museum von Luxor, in der
zahlreiche Mumien und Artefakte ausgestellt sind. Ursprünglich wollten wir zu
Fuß zum Museum laufen, da wir den Weg kannten, allerdings trafen wir am Ausgang
einen tauben und weitgehend stummen Kutschführer, mit dem wir es dann doch
spannend fanden mitzufahren. Nachdem die basalen Sprachkenntnisse der deutschen
Gebärdensprache leider nicht mit seiner Gebärdensprache kompatibel waren,
verständigten wir uns auch so mit Händen und Füßen und jemand anders kannte
seine Gebärde für das Museum, was für uns sehr hilfreich war. Unterwegs sprang
auch noch sein Bruder auf, der dann auch ein wenig dolmetschte. Während der
Fahrt erfuhren wir dann, dass das Luxormuseum wegen des geringen Tourismus
leider zur Zeit deutlich früher zumacht (15 Uhr), als wir damit gerechnet
hatten (uns wurden Schließungszeiten wahlweise zwischen 17 und 21 Uhr benannt).
Der Kutschenfahrer bewies uns das dann noch, indem er uns auch zum Museum fuhr
und das Öffnungszeitenschild zeigte (man ist sich ja nie ganz sicher, wer einem
gerade was erzählt...). Also nutzten sie natürlich die Gelegenheit uns zu
Einkaufsmöglichkeiten zu fahren, die aber ausnahmsweise nicht das Geschäft
ihres Onkels / Bruders etc waren. Sie fuhren uns zu einer Art
Touristenkaufhaus. Das Erdgeschoss beinhaltete nur handbemalte Papyri
unterschiedlichen Schönheitsgrades (manche waren mit Glitzerstaub versehen),
das erste Geschoss nur Statuetten, Holzobjekte, Lampen und Gewürze (offen in
Behältern, eingestaubt) und das zweite Geschoss Bücher, Teppiche und
„jewelery“. Insh’allah hatten wir tatsächlich fast kein Geld mit dabei, was uns
glaube ich schon entgegen kam. Vielleicht sollte man noch dazu erwähnen, dass
natürlich auch ein Kaufhaus keine festen Preise hat (mit Ausnahme der Papyri)
und man hier auch über den Preis einer Postkarte verhandeln kann – was wir
natürlich auch taten.
Zurück auf unserer Kutsche ließen wir uns dann zu einem
echten ägyptischen Bazar fahren (es gibt auch einen eigenen Touristenbazar),
auf dem wir auch tatsächlich die einzigen Touristen waren – was natürlich nicht
hieß, dass wir die ägyptischen Preise bekamen, sondern uns dennoch die
Touristenpreise dargeboten wurden. Wir fanden einen netten jungen Ägypter namens
Hassan, dem anscheinend langweilig war und er seine Englischkenntnisse
trainieren wollte, da er heute nicht in der Schule war (so erzählte er es uns
zumindest, er sah aber eher so aus, als ob er in unserem Alter ist), der mit
uns gemeinsam den Bazar erkundete. Vom Bazar selbst gibt es leider keinerlei
Photos, da wir die Kamera gut im Rucksack verstauten und uns in den dichten
Menschenmassen das erste Mal ein bisschen mehr Sorgen um unser Hab und Gut
machten. Auf dem Bazar wurde alles mögliche dargeboten: von Kleidung über Obst,
Gewürze, Kochgeschirr oder Waschbecken war hier wirklich alles zu haben,
natürlich alles ohne Preisausschreibung – man muss ja ein bisschen verhandeln J Als erstes wollte sich
der Schwaig ein traditionelles ägyptisches Gewand kaufen und wir fanden
natürlich auch gleich einen Stand, der Männerkleidung bereithielt. Dort
probierte er mehrere Gewänder an und wurde natürlich gleich wieder von
neugierigen Ägyptern beobachtet und gelobt „you look like real egyptian“ und
nach sehr langen, zähen Verhandlungen erstanden wir schließlich das Gewand samt
Schal und Mütze. Inzwischen haben wir schon ein paar ganz gute
Verhandlungsstrategien und tatsächlich loben uns auch die Ägypter dafür, dass
wir gut verhandeln können. Trotzdem liegen unsere gezahlten Beträge mit
Sicherheit noch über dem ägyptischen Preis, aber vielleicht nicht mehr ganz so
weit davon entfernt. Im Zweifelsfall geht man einfach irgendwann beleidigt,
dann holen sie einen meistens schon zurück und bieten einem noch mal einen neuen
Preis an. So Ein Kleidungsstück zu kaufen kann dann aber auch schon mal eine
halbe Stunde dauern, was man aber auch eher als Erlebnis wahrnehmen und
genießen muss. Bei den zahlreichen Obstständen fragten wir immer mal wieder
nach den Preisen für Mangos (wir hatten erfahren, dass wohl so 8-10 Pfund pro
Kilo der ägyptische Preis wäre), wobei wir meistens Preise zwischen 15 und 20
Pfund erfuhren, da wir immer mit Hassan gemeinsam nachfragten. Auch als er
alleine nachfragte, sagte er, dass der Preis 15 Pfund wäre und so entschlossen
wir uns dann doch mal dazu frisches Obst trotz den touristischen Preisen zu
kaufen. Außerdem erstanden wir auf dem Markt noch allerlei frische Gewürze und
Tee, sowie Schals in einem zweiten ähnlichen Kaufhaus. Nach dem mehr oder weniger
erfolgreichen Geschäft, das aber auf jeden Fall erlebnisreich war und uns
immerhin auch jeweils drei Gläser Tee einbrachte, machten wir uns wieder auf
den Rückweg. Diesmal beschlossen wir mal zu versuchen wie echte Ägypten (und
somit möglichst günstig) zum Hotel zurückzureisen und nahmen die Staatsfähre
(für uns 2 Pfund statt 5 für ein eigenes Motorboot, also 20ct statt 50ct), die
aber auch deutlich länger brauchte, um loszufahren und überzusetzen, dafür
waren wir auf einem riesigen zweistöckigen Boot mit lauter Ägyptern. Am anderen
Ufer angekommen nahmen wir weder Taxi noch Toktok (auch wenn dem die Philine
noch hinterhertrauert) und suchten uns einen der Minibusse, die in unsere
Richtung fahren. Das braucht natürlich auch deutlich länger, da der Bus wirklich
wartet, bis auch der letzte der 15 Plätze besetzt ist und erst dann losfährt.
Die Schiebetür bleibt natürlich während der Fahrt offen und man macht sich
einfach irgendwann bemerkbar, wenn man rausspringen möchte – kostet dafür auch
wieder nur 1 Pfund pro Person statt ca. 10-15 Pfund für das Taxi (für 2
Personen). Zurück im Hotel mussten wir dann feststellen, dass wir wirklich mit
Abstand das allerbeste Hotel mit dem genialsten Zimmerservice aller Zeiten
haben (siehe Photo)! Nach einem mehrminütigen Lachanfall schließlich verzehrten
wir dann noch ein wenig von dem Obst und fielen erschöpft ins Bett. Heute geht
es dann weiter ins Tal der Könige und am Abend per Nachtzug zurück nach Cairo –
deswegen lässt der nächste Blog vielleicht ein bisschen auf sich warten.
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| Fahrt mit einer Nilbarke |
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| Der gigantische Tempelkomplex von Karnak als Modell |
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| Massig Bustouristen auch hier |
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| Amun-Re, der ägyptische Urgott (und später auch Sonnengott, deshalb -Re) |
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| Die epische Säulenhalle von Karnak |
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| Vermutlich wesentlich jüngere, christliche Skulpturen |
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| Für den Dani |
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| Mehr für den Dani |
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| ;) |
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| Geschenk des Roomservices |
Wow! ein echter Ägypter! Und das "Schleiferlklo" ist wirklich herzallerliebst.
AntwortenLöschenHabe ich schon einmal erwähnt, dass ich Euren blog liiiiiebe?! Grüße! U