Heute war unser erster Arbeitstag! Wir haben es noch etwas
gemütlicher angehen lassen und sind erst gegen 8 aufgestanden. Nach dem
Frühstück wurden wir von einigen der ägyptischen Arbeiter noch zu einem Tee mit
zweitem Frühstück eingeladen, das konnten wir dann aus Gründen der Höflichkeit
nicht ablehnen, allerdings hat es natürlich den eigentlichen Arbeitsbeginn noch
etwas verzögert. Anschließend verschafften wir uns erstmal einen Überblick,
wobei Sebastian (mit wenig Überraschung) leider feststellen musste, dass sein
Auftrag von seinem letzten Aufenthalt, nämlich eine Versuchsfläche mit
Bodenverbesserer (also eine Art Dünger mit noch ein paar Stoffen, die Wasser
besser als der Wüstensand halten können) zu behandeln und eine andere
Versuchsfläche teilweise neu zu bepflanzen, von den Arbeitern leider nicht
durchgeführt wurde. Also hatten diese zwei Aufgaben, da eh schon verzögert,
Priorität und wir machten uns direkt daran. Wir fuhren also mit zwei Arbeitern
zur Versuchsfläche Ia. Zur Ausbringung des Bodenverbesserers mussten wir
zunächst bei allen Pflanzen ein wenig Erde abgraben, was bei den bestehenden
Pflanzen recht umständlich war (normalerweise kommt der Bodenverbesserer vor
dem Pflanzen in die Pflanzlöcher), anschließend die richtige Menge
Bodenverbesserer einbringen und dann das ganze wieder zuschütten. Bei insgesamt
800 Pflanzen ist man da schon eine Weile beschäftigt, die ägyptische Sonne
macht es einen auch nicht einfacher. Sebastian, Jens und ich buddelten also die
Löcher, während die ägyptischen Arbeiter schon mal den Bodenverbesserer
zermörserten und dann ausbrachten.
Im Anschluss an diese Arbeit gingen Sebastian und ich weiter
die Pflanzlöcher auf der Versuchsfläche 3b vorbereiten. Dort war eine
Pflanzenart, nämlich Acacia saligna, noch gar nicht gepflanzt worden, was
dringend nachgeholt werden musste. Die Arbeit für uns bestand jetzt also darin,
einfach mal die Pflanzlöcher zu hacken und, wo es vorgesehen war, auch
Bodenverbesserer einzubringen. Das Hacken der Pflanzlöcher gestaltete sich
teilweise als schwierig, da diese Fläche schon einmal für ein Experiment
benutzt worden war und teilweise abgestorbenes, aber dennoch dichtes Wurzelwerk
im Boden vorhanden war. Für das Hacken der Löcher waren eigentlich noch zwei
weitere ägyptische Arbeiter vorgesehen, die aber dann leider doch nicht
gekommen sind, weshalb wir auch diese Tätigkeit übernahmen. Stellenweise ein
echter Knochenjob.
Beim Anlegen der Pflanzlöcher musste wir teilweise leider
einige Schäden im Bewässerungssystem feststellen, die vermutlich schon länger
nicht repariert wurden. An manchen Stellen sprudelte das Wasser nur so aus der
Leitung heraus, was dann natürlich an anderen Stellen fehlte. Insgesamt wirkt
hier so einiges so, als würde es nicht wirklich nach Plan laufen leider.
Reparaturen werden nicht so schnell wie es möglich wäre durchgeführt und von
den Leuten vor Ort fühlt sich auch niemand so recht verantwortlich. Schade,
hier geht glaube ich viel Potenzial verloren. Bin mal gespannt, was dass für
meine Masterarbeit dann bedeuten wird. ;)
Nach den Vorbereitungsarbeiten
machten wir erstmal eine Pause und fuhren mit den Arbeitern zurück zum
Hauptgebäude (in dem wir ja auch Quartier aufgeschlagen hatten). Dann
beschlossen wir, dass es eine gute Gelegenheit wäre ein paar Vorräte
einzukaufen und uns im Ort ein Mittagessen zu genehmigen und fuhren mit dem
Arbeiterpickup mit Richtung Serabium (der nächste kleine Ort, wo die meisten
Arbeiter wohnen und der ein paar Geschäfte hat). Die meisten Arbeiter sind nur
halbtags beschäftigt, also so etwa von 10/11 Uhr bis 2 Uhr ;) Der Pickup, mit
dem sie immer anreisen war also inlusive uns drei mit etwa 14 Personen (!)
beladen und los ging die Fahrt. Nachdem so einer nach dem anderen an seinem
Wohnort abgesetzt wurde kamen wir schließlich im Zentrum von Serabium an und
machten unsere Einkäufe (viel Wasser!). Zu Essen holten wir uns eine Portion
Koshari (Nudeln mit Bohnen, Zwiebeln und einer Art Tomatensauce, simpel aber
gut). Dann ging es wieder zurück zur ‚Plantage’ und wir beschlossen noch kurz
mit der Datenaufnahme von Plot 1b zu beginnen, wo wir aber aufgrund von
Startschwierigkeiten nicht allzu weit kamen, bis es schon wieder dunkel wurde.
Im Anschluss machten wir uns noch ein wenig über den nächsten Tag Gedanken,
genossen die Ruhe und Dunkelheit beim allabendlichen Stromausfall (scheint hier
jeden Tag so kurz vor 7 Uhr aufzutreten) und aßen Brot mit Streichkäse zu
Abend.
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| Hier haben wir Quartier bezogen, es gibt genug Couchen für alle :) |
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| Ein etwas älteres Modell der Versuchsflächen |
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| Die Baumschule |
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| 7 (!) Jahre alte Eukalyptuspflanzung |
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| Das 'Laboratorium' mit einigen wirklich guten Geräten |
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| Versuchsfläche 1a |
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| Ganz junge Pflanzen, ebenfalls 1a |
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| Etwas ältere Flächen, nicht Teil unseres speziellen Projekts |
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| Abendstimmung über Fläche 1b |
Na schön, das klingt ja reichlich verplant! Hoffentlich kommt ihr da beim ganzen Nachbessern des Nicht-Getanen überhaupt noch wirklich zum eigentlich Vermessen und es springt dann noch eine ordentliche Datenmenge dabei raus.
AntwortenLöschenWie muss man sich das dann eigentlich vorstellen, wenn du sagst, da wurde etwas wegen Schäden nicht bewässert: ist dann da eine ganze Versuchsfläche ausgefallen, oder nur ein kleiner Bereich oder wie darf man sich das da vorstellen? Ich (als Pflanze, wie auch als Mensch) würde ja nur ungern in Ägypten ohne Wasser darstehen ;)
Hast du eigentlich inzwischen schon rausgefunden, inwiefern das (vor-)geklärte Wasser noch verwertbare Stoffe enthält? Das dürfte ja im Zweifelsfall auch noch einen recht angenehmen Geruch aufweisen...
Joa, wir kommen schon auch zum Vermessen, wir haben ja insgesamt doch ordentlich Zeit.
AntwortenLöschenDas muss man sich halt so vorstellen: Es gibt so Hauptwasserleitungen und von denen zweigen dann verschiedene kleinere Wasserleitungen für die Versuchsflächen ab. Wenn jetzt eine Hauptwasserleitung beschädigt ist kann natürlich eine ganze Fläche betroffen sein, das ist aber eher seltener der Fall denke ich. Wenn jetzt die kleinere Leitung zB bei Pflanze 4 einer Reihe (mit 10 Pflanzen) leckt, kriegen halt Pflanzen 5-10 kein bzw. weniger Wasser. Was auch passiert ist das einzelne von den Austrittsdüsen verstopfen, dann kriegt eine Pflanze kein Wasser mehr und alle anderen einer Reihe vermutlich dementsprechend zu viel... schwer zu sagen, dass alles.
Wasser enthält noch sehr viele Nährstoffe, aber es ist nicht so dass es unangenehm stinken würde (außer in der Nähe der Kläranlage halt, aber da sind wir ja nicht am arbeiten).