Dienstag, 30. September 2014

Gebaut in die Felsen Thebens

Totentempel der Hatshepsut
Dienstag ging es direkt nach dem Frühstück los, zum berühmten Tempel der Hatshepsut. Hatshepsut war eine von insgesamt zwei weiblichen Herrscherinnen des alten Ägypten (Nein, Kleopatra war viel später, die andere hieß Tausret) und ließ sich an einer Felswand in Theben einen netten Totentempel erbauen. Die Wandverzierungen des Tempels sind zwar nicht mehr sonderlich gut erhalten, weil die ersten Zerstörungen schon direkt nach dem Tode Hatshepsuts mit der Herrschaft ihres Ziehsohnes und Neffen, des kriegerischen Thutmosis III., begonnen. Aus einem nicht ganz geklärten Grund ließ er die meisten Abbildungen der Hatshepsut tilgen. Auch bei der Benutzung des Tempelgebäudes durch koptische Christen in der späten Antike wurden einige weitere Reliefs und Malereien zerstört. Dies alles konnte jedoch bis heute nicht den großartigen Eindruck der gesamten Architektur dieses Tempels beeinträchtigen. Der Tempel ist auf 3 Terassen in den Felsen hineingebaut und wenn man vom Ticket Office zu Fuß den Weg darauf hinschreitet wirkt dieser Effekt einfach wunderbar. Der normale Pauschaltourist, hier busweise vertreten, macht dies aber nicht sondern bedient sich lieber des ‚Trains’, einer merkwürdigen Touristenkutsche die an eine Kombination aus Flughafen-Gepäckentladefahrzeugen und Gabelstapler erinnert. Sehr amüsant anzusehen, wenn man bedenkt, dass wir zu Fuß schneller waren, weil wir nicht darauf warten mussten bis der ‚Train’ einigermaßen voll war. Obwohl insgesamt doch verhältnismäßig viele Touristen vor Ort waren, konnten wir uns glücklicherweise sehr ungestört die untere Terrasse mit den unserer Meinung nach am besten erhaltendsten Abbildungen ansehen, da die Pauschaltouristen bei ihrem ‚Temple-Run’ dem keine Beachtung schenkten. Auf der zweiten Terrasse ließen wir uns dann für je 10 Pfund (ca. 1,10 Euro) zwei kurze Führungen geben, weil wir Mitleid mit den ganzen als Guides arbeitenden, zumeist unbeschäftigten Ägyptern hatten. Den Pauschaltouristen wird vermutlich eingebläut einfach immer ‚No’ zu sagen.
Nicht ganz so gut erhaltene Malereien
Nach ausführlicher Betrachtung (die Photos vermitteln vielleicht einen besseren Eindruck) verließen wir den Tempel anschließend wieder und gingen zum Ein-/Ausgang. Dieser führt durch eine zu einem Basar umgebaute lange Halle, in welcher zahlreiche Händler ihre Waren feilboten. Beim Hineingehen, waren wir da mit den Worten ‚Maybe later’ noch ganz gut durchgekommen, jetzt war es da schon wesentlich schwieriger. Manche der angebotenen Sachen sahen aber echt ganz gut aus (schöne kleine Steinstatuetten und andere Souvenirs etc.) und nach einigen zähen, aber sowohl für uns als auch für die Verkäufer lustigen Verhandlungen erstanden wir für insgesamt 150 Pfund 3 Alabaster-Statuetten, eine Alabaster-Vase, ein Palästinakopftuch samt diesem Reif, dessen Namen ich gerade nicht kenne (‚This Arafat, you know, not Egyptian. Egyptian don’t need this’), das Wissen wie man so ein Tuch aufsetzt, drei Mini-Skarabäen und ein hübschen Halstuch. Wir ließen einen strahlenden Händler zurück und verließen nun endgültig den Tempelbereich. Ich möchte nicht wissen, was der Stundenlohn der Handwerker hierzulande ist, die Statuetten z.B. waren echt schöne Arbeit und ziemlich sicher handgefertigt und so wie der Händler sich gefreut hat haben wir mit den (anteilig pro Statuette) 15 Pfund wohl immer noch einen für ihn recht guten Preis gezahlt.
Anschließend wieder im Hotel ruhten wir uns kurz aus und machten uns dann auf zum zweiten Tagesziel, dem sogenannten Tal der Arbeiter, auch Der Al Medina genannt. In diesem Tal lebten die Arbeiter, welche die Pharaonengräber des Neuen Königreichs im berühmten ‚Tal der Könige’, das wir uns auch noch die Tage ansehen werden, erbauten. Da das Errichten eines angemessen ausgestatteten Grabes das größte Ziel im Leben eines jeden Ägypters war, kümmerte sich der jeweilige Pharaoh meist sehr fürsorglich um die Arbeiter, die seine Grabstätte errichteten. Die Arbeiter führten also ein relativ angenehmes Leben mit ihren Familien im Tal der Arbeiten, einziger Nachteil war jedoch, dass sie im Tal quasi eingemauert waren, denn sie durften das Tal nur zum Arbeiten an den Königsgräbern verlassen. Dies sollte sicherstellen, dass die Arbeiter niemanden die genaue Position einzelnen Gräber im Tal der Könige verraten konnten. Die Arbeiter kannten nämlich die Lage aller Pharaohnengräber, nicht nur die des jeweilig aktuellen Bauprojektes, da sie ja wissen mussten wo im Felsen noch Platz war zum Errichten des neuen Grabes. Das Wissen der Arbeiter hätte natürlich jeden Grabräuber das Leben zum Paradies gemacht. Das interessante ist, dass die Arbeiter ihr Wissen und ihren Zugang zu den Baumaterialien in ihrer Freizeit dazu nutzten, sich selbst ebenfalls eine nette Grabstätte zu bauen. Diese Gräber sind zwar nicht ganz so groß und prunkvoll wie die Königsgräber (den direkten Vergleich haben wir noch nicht) aber trotzdem äußerst künstlerisch gefertigt und auch sehr gut erhalten, da sie natürlich viel seltener Ziel von Grabräubern wurden und dementsprechend einige nicht geöffnete Gräber gefunden wurden, die extrem gut erhaltene Malereien enthalten.
Wir verschafften uns zunächst jedoch einen Überblick über das Dorf der Arbeiter. Hier lebten in etwa 100 Familien, jede in einem eigenen, etwa 90 qm großen Haus. Außerdem steht auf dem Gelände ein Tempel aus der Ptolemäerzeit, so etwa 300 v. Chr. erbaut (zum  Vergleich: das Tal der Könige entstand zwischen 1500 und 1000 v.Chr.). Man kann schon als Laie an diesem Bauwerk den deutlichen Rückgang in der Baukunst nach Zerfall der eigentlichen Pharaohnenherrschaft erkennen. Ein äußerst netter Ägypter sperrte uns den Tempel auf und erklärte uns äußerst detailliert die einzelnen Räume. Er sprach zwar nur wenig Englisch, konnte das aber mit seiner Freude an den Erklärungen und seiner Geduld mehr als ausgleichen (normalerweise sind die Führer eher bestrebt, einen möglichst schnell durch die Bauwerke durchzujagen). Der Tempel wurde in späterer Zeit als eine Art Kloster für koptische Christen umgebaut, aus dieser Zeit sind auch noch einige Relikte zu erkennen gewesen. Nach dem Tempel wollten wir uns von unserem netten Führer auch noch die Gräber der Arbeiter zeigen lassen, leider besaß jedoch ein anderer Mann den Schlüssel vom äußerst gut erhaltenen Grab des Sennodjem und wir mussten ihm folgen. Er war ein eher dreister Mann, dem die Pfundzeichen in den Augen schon angesehen werden konnten und scheute sich nicht ganz offen 10 Euro für die Umgehung des (vermutlich selbst angebrachten) ‚No Photo’ Schildes zu verlangen, was wir natürlich ablehnten. Seine Erklärungen waren aber tatsächlich gar nicht schlecht und es war wirklich ein extrem gut erhaltenes und nahezu unversehrtes Grab, weswegen wir es nicht bereuten ihm gefolgt zu sein. Das Grab ist sehr liebevoll mit allerlei Szenen aus dem Alltagsleben der Arbeiter und den einzelnen im Zusammenhang mit dem Tod vollzogenen Ritualen und beteiligten Göttern geschmückt. Es sieht aus als wäre es erst letzte Woche gezeichnet worden, so hervorragend sind dort die Farben erhalten. Absolut unverständlich, dass wir die einzigen Besucher dort waren. Für 10 Pfund statt 10 Euro ließen wir uns schließlich doch noch zum Aufnehmen einiger Photos hinreißen (wir gehen davon aus, dass das Aufnehmen von Photos ohne Blitzlicht die Gräber nicht mehr als das Besuchen an sich beschädigt und das Schild nur ein Trick für mehr Bakshish ist). Anschließend besuchten wir noch mit unserem ersten Führer ein zweites Grab von annähernd gleicher Qualität, wo lediglich ein kleiner Teil der Decke eingestürzt und somit verloren gegangen war. Man muss auch dazu sagen, dass natürlich sämtliche in den Gräbern gefundenen Objekte entweder von Grabräuber oder Kolonialmächten geklaut oder ins Ägyptische Museum in Kairo verbracht wurden (gilt eigentlich für alle Denkmäler), weswegen wir auch hier lediglich die Wandmalereien bewundern konnten, was aber faszinierend genug war. Die Zeit näherte sich 17 Uhr und wir mussten uns wieder auf den Weg machen, da die Denkmäler ja ab 17 Uhr schließen. Wir entlohnten unseren netten Führer, was er (der erste seiner Art!) erst gar nicht annehmen wollte, es dann nach einigem Bitten aber doch freudestrahlend tat und verabschiedeten uns. Auf dem Rückweg zum Hotel genossen wir noch ein wenig die abendliche Stimmung des alten Theben und freuten uns auf einen ruhigen Abend.






Die Kobra als Wächter darf in keinem Tempel fehlen

Der Skarabäus soll Glück bringen



Kapelle der Gottheit Hathor (?)

Der Blick Richtung Nil





Strahlender Händler namens Ahmed

Das Tal der Arbeiter

Ptolemäischer Tempel


Grab des Sennodjem

Es ist erstaunlich wie gut erhalten dieses Gräber sind

Unser netter Führer im Tal der Arbeiter

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