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| Totentempel der Hatshepsut |
Dienstag ging es direkt nach dem Frühstück los, zum
berühmten Tempel der Hatshepsut. Hatshepsut war eine von insgesamt zwei
weiblichen Herrscherinnen des alten Ägypten (Nein, Kleopatra war viel später,
die andere hieß Tausret) und ließ sich an einer Felswand in Theben einen netten
Totentempel erbauen. Die Wandverzierungen des Tempels sind zwar nicht mehr
sonderlich gut erhalten, weil die ersten Zerstörungen schon direkt nach dem
Tode Hatshepsuts mit der Herrschaft ihres Ziehsohnes und Neffen, des
kriegerischen Thutmosis III., begonnen. Aus einem nicht ganz geklärten Grund
ließ er die meisten Abbildungen der Hatshepsut tilgen. Auch bei der Benutzung
des Tempelgebäudes durch koptische Christen in der späten Antike wurden einige
weitere Reliefs und Malereien zerstört. Dies alles konnte jedoch bis heute
nicht den großartigen Eindruck der gesamten Architektur dieses Tempels beeinträchtigen.
Der Tempel ist auf 3 Terassen in den Felsen hineingebaut und wenn man vom
Ticket Office zu Fuß den Weg darauf hinschreitet wirkt dieser Effekt einfach
wunderbar. Der normale Pauschaltourist, hier busweise vertreten, macht dies
aber nicht sondern bedient sich lieber des ‚Trains’, einer merkwürdigen
Touristenkutsche die an eine Kombination aus Flughafen-Gepäckentladefahrzeugen
und Gabelstapler erinnert. Sehr amüsant anzusehen, wenn man bedenkt, dass wir
zu Fuß schneller waren, weil wir nicht darauf warten mussten bis der ‚Train’
einigermaßen voll war. Obwohl insgesamt doch verhältnismäßig viele Touristen
vor Ort waren, konnten wir uns glücklicherweise sehr ungestört die untere
Terrasse mit den unserer Meinung nach am besten erhaltendsten Abbildungen ansehen,
da die Pauschaltouristen bei ihrem ‚Temple-Run’ dem keine Beachtung schenkten.
Auf der zweiten Terrasse ließen wir uns dann für je 10 Pfund (ca. 1,10 Euro)
zwei kurze Führungen geben, weil wir Mitleid mit den ganzen als Guides
arbeitenden, zumeist unbeschäftigten Ägyptern hatten. Den Pauschaltouristen
wird vermutlich eingebläut einfach immer ‚No’ zu sagen.
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| Nicht ganz so gut erhaltene Malereien |
Nach ausführlicher Betrachtung (die Photos vermitteln
vielleicht einen besseren Eindruck) verließen wir den Tempel anschließend
wieder und gingen zum Ein-/Ausgang. Dieser führt durch eine zu einem Basar
umgebaute lange Halle, in welcher zahlreiche Händler ihre Waren feilboten. Beim
Hineingehen, waren wir da mit den Worten ‚Maybe later’ noch ganz gut
durchgekommen, jetzt war es da schon wesentlich schwieriger. Manche der
angebotenen Sachen sahen aber echt ganz gut aus (schöne kleine Steinstatuetten
und andere Souvenirs etc.) und nach einigen zähen, aber sowohl für uns als auch
für die Verkäufer lustigen Verhandlungen erstanden wir für insgesamt 150 Pfund
3 Alabaster-Statuetten, eine Alabaster-Vase, ein Palästinakopftuch samt diesem
Reif, dessen Namen ich gerade nicht kenne (‚This Arafat, you know, not
Egyptian. Egyptian don’t need this’), das Wissen wie man so ein Tuch aufsetzt,
drei Mini-Skarabäen und ein hübschen Halstuch. Wir ließen einen strahlenden
Händler zurück und verließen nun endgültig den Tempelbereich. Ich möchte nicht
wissen, was der Stundenlohn der Handwerker hierzulande ist, die Statuetten z.B.
waren echt schöne Arbeit und ziemlich sicher handgefertigt und so wie der
Händler sich gefreut hat haben wir mit den (anteilig pro Statuette) 15 Pfund
wohl immer noch einen für ihn recht guten Preis gezahlt.
Anschließend wieder im Hotel ruhten wir uns kurz aus und
machten uns dann auf zum zweiten Tagesziel, dem sogenannten Tal der Arbeiter,
auch Der Al Medina genannt. In diesem Tal lebten die Arbeiter, welche die
Pharaonengräber des Neuen Königreichs im berühmten ‚Tal der Könige’, das wir
uns auch noch die Tage ansehen werden, erbauten. Da das Errichten eines
angemessen ausgestatteten Grabes das größte Ziel im Leben eines jeden Ägypters
war, kümmerte sich der jeweilige Pharaoh meist sehr fürsorglich um die
Arbeiter, die seine Grabstätte errichteten. Die Arbeiter führten also ein
relativ angenehmes Leben mit ihren Familien im Tal der Arbeiten, einziger
Nachteil war jedoch, dass sie im Tal quasi eingemauert waren, denn sie durften
das Tal nur zum Arbeiten an den Königsgräbern verlassen. Dies sollte
sicherstellen, dass die Arbeiter niemanden die genaue Position einzelnen Gräber
im Tal der Könige verraten konnten. Die Arbeiter kannten nämlich die Lage aller
Pharaohnengräber, nicht nur die des jeweilig aktuellen Bauprojektes, da sie ja
wissen mussten wo im Felsen noch Platz war zum Errichten des neuen Grabes. Das
Wissen der Arbeiter hätte natürlich jeden Grabräuber das Leben zum Paradies
gemacht. Das interessante ist, dass die Arbeiter ihr Wissen und ihren Zugang zu
den Baumaterialien in ihrer Freizeit dazu nutzten, sich selbst ebenfalls eine
nette Grabstätte zu bauen. Diese Gräber sind zwar nicht ganz so groß und
prunkvoll wie die Königsgräber (den direkten Vergleich haben wir noch nicht)
aber trotzdem äußerst künstlerisch gefertigt und auch sehr gut erhalten, da sie
natürlich viel seltener Ziel von Grabräubern wurden und dementsprechend einige
nicht geöffnete Gräber gefunden wurden, die extrem gut erhaltene Malereien
enthalten.
Wir verschafften uns zunächst jedoch einen Überblick über
das Dorf der Arbeiter. Hier lebten in etwa 100 Familien, jede in einem eigenen,
etwa 90 qm großen Haus. Außerdem steht auf dem Gelände ein Tempel aus der
Ptolemäerzeit, so etwa 300 v. Chr. erbaut (zum Vergleich: das Tal der Könige entstand zwischen 1500 und
1000 v.Chr.). Man kann schon als Laie an diesem Bauwerk den deutlichen Rückgang
in der Baukunst nach Zerfall der eigentlichen Pharaohnenherrschaft erkennen.
Ein äußerst netter Ägypter sperrte uns den Tempel auf und erklärte uns äußerst
detailliert die einzelnen Räume. Er sprach zwar nur wenig Englisch, konnte das
aber mit seiner Freude an den Erklärungen und seiner Geduld mehr als
ausgleichen (normalerweise sind die Führer eher bestrebt, einen möglichst
schnell durch die Bauwerke durchzujagen). Der Tempel wurde in späterer Zeit als
eine Art Kloster für koptische Christen umgebaut, aus dieser Zeit sind auch
noch einige Relikte zu erkennen gewesen. Nach dem Tempel wollten wir uns von
unserem netten Führer auch noch die Gräber der Arbeiter zeigen lassen, leider
besaß jedoch ein anderer Mann den Schlüssel vom äußerst gut erhaltenen Grab des
Sennodjem und wir mussten ihm folgen. Er war ein eher dreister Mann, dem die
Pfundzeichen in den Augen schon angesehen werden konnten und scheute sich nicht
ganz offen 10 Euro für die Umgehung des (vermutlich selbst angebrachten) ‚No
Photo’ Schildes zu verlangen, was wir natürlich ablehnten. Seine Erklärungen
waren aber tatsächlich gar nicht schlecht und es war wirklich ein extrem gut
erhaltenes und nahezu unversehrtes Grab, weswegen wir es nicht bereuten ihm
gefolgt zu sein. Das Grab ist sehr liebevoll mit allerlei Szenen aus dem
Alltagsleben der Arbeiter und den einzelnen im Zusammenhang mit dem Tod
vollzogenen Ritualen und beteiligten Göttern geschmückt. Es sieht aus als wäre
es erst letzte Woche gezeichnet worden, so hervorragend sind dort die Farben
erhalten. Absolut unverständlich, dass wir die einzigen Besucher dort waren.
Für 10 Pfund statt 10 Euro ließen wir uns schließlich doch noch zum Aufnehmen
einiger Photos hinreißen (wir gehen davon aus, dass das Aufnehmen von Photos
ohne Blitzlicht die Gräber nicht mehr als das Besuchen an sich beschädigt und
das Schild nur ein Trick für mehr Bakshish ist). Anschließend besuchten wir
noch mit unserem ersten Führer ein zweites Grab von annähernd gleicher
Qualität, wo lediglich ein kleiner Teil der Decke eingestürzt und somit
verloren gegangen war. Man muss auch dazu sagen, dass natürlich sämtliche in den
Gräbern gefundenen Objekte entweder von Grabräuber oder Kolonialmächten geklaut
oder ins Ägyptische Museum in Kairo verbracht wurden (gilt eigentlich für alle
Denkmäler), weswegen wir auch hier lediglich die Wandmalereien bewundern
konnten, was aber faszinierend genug war. Die Zeit näherte sich 17 Uhr und wir
mussten uns wieder auf den Weg machen, da die Denkmäler ja ab 17 Uhr schließen.
Wir entlohnten unseren netten Führer, was er (der erste seiner Art!) erst gar
nicht annehmen wollte, es dann nach einigem Bitten aber doch freudestrahlend
tat und verabschiedeten uns. Auf dem Rückweg zum Hotel genossen wir noch ein
wenig die abendliche Stimmung des alten Theben und freuten uns auf einen
ruhigen Abend.


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| Die Kobra als Wächter darf in keinem Tempel fehlen |
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| Der Skarabäus soll Glück bringen |
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| Kapelle der Gottheit Hathor (?) |
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| Der Blick Richtung Nil |
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| Strahlender Händler namens Ahmed |
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| Das Tal der Arbeiter |
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| Ptolemäischer Tempel |
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| Grab des Sennodjem |
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| Es ist erstaunlich wie gut erhalten dieses Gräber sind |
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| Unser netter Führer im Tal der Arbeiter |
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