Wir sitzen noch gerade auf der traumhaften Terasse unseres
Marsamhotels und genießen den beginnenden Sonnenuntergang in unserer Idylle.
Wie angekündigt waren wir heute im berühmten Tal der Könige, das insgesamt 64
mehr oder weniger gut erhaltene letzte Ruhestätten der Könige und Königinnen
der 18. – 20. Dynastie (ca. 1550 – 1050 B.C.) beinhaltet. Diese sind einzeln
über das Gelände verteilt, jedoch längst nicht so weit voneinander weg, wie wir
es vermutet hätten (vielleicht maximal einen halben Kilometer...?). Wir sind
mit einem ‚Taxi’ (‚nem Typ mit nem fahrbaren Untersatz’ für 15 Pfund an den
Eingang gefahren und auch hier muss man sich erstmal durch eine Basarallee bis
zum echten Eingang kämpfen. Am Ticketschalter selbst könnten wir dann erneut
mit unserer bestechenden Freundlichkeit und einem kleinen Trinkgeld die
Verkäufer von der Echtheit unserer deutschen Studentenausweise überzeugen und
bekamen auch hier (fast) den halben Preis. Im Tal der Könige kauft man sich
immer 3er-Tickets für jeweils 3 Gräber, außerdem gibt es noch Extra-Tickets für
zwei besondere Gräber (Ramses VI.: besonders schön, Tutanchamun: besonders
berühmt). Wir entschieden uns, den Empfehlungen von Klaus folgend, für jeweils
ein 3er-Ticket und Ramses VI. Da ja nur ein Bruchteil der Gräber an den
einzelnen Tagen begehbar ist und man bei intensivem Begutachten auch seine Zeit
braucht, sind unserer Meinung nach 4 Gräber vollkommen ausreichend. Beim
3er-Ticket entschieden wir uns für Merenptah, Siptah und Tausret & Sethnacht,
eine Art Doppelgrab, obwohl man das beim Ticketkauf noch nicht wissen muss.
Leider darf man in den Gräbern des Tals keine Photos machen, was man natürlich
mit einem gewissen Bakshish umgehen kann, wir entschieden uns aber dagegen und
ließen das Ganze einfach ohne Ablenkung auf uns Wirken. Als Erstes besuchten
wir das Grab des Merenptah.
Bei diesem Grab ist vor allem die enorme Tiefe, die das
Bauwerk erreicht, erwähnenswert. Interessanterweise sind vor allem die
Malereien der ersten paar Meter besonders gut erhalten, obwohl dort ja am
ehesten Sonneneinstrahlung die Farben bedroht. Wir möchten jetzt gar nicht so
sehr auf die Details der Reliefs und Bemalungen eingehen, das muss man einfach
selbst sehen.
Weiter ging es dann nach einiger Zeit für uns mit dem Grab
von Tausreth und Sethnacht. Tausreth war, wie schon erwähnt, eine ägyptische
Herrscherin, die nach dem frühen Tod ihres Stiefsohnes die Macht im
Pharaohnenreich übernahm. Sie wurde dann vermutlich von ihrem Liebhaber Sethnacht,
einem General, beseitigt, worauf dieser dann eine neue Dynastie (die 19te)
begründete und weiterherrschte. Nicht nur dass er Tausreth beseitigte, er
übernahm auch gleich das für sie gebaute Grab, ließ ihre Mumie entfernen und
ihre Namen tilgen (wenn man es weiß ist das tatsächlich auch gut zu erkennen)
und ließ im Anschluss daran einfach weiterbauen, um ein schöneres Grab für sich
selbst zu haben.
Als drittes Grab schauten wir uns das Grab des Siptah an. Es
ist eigentlich relativ unspektakulär vom künstlerischen Aspekt her aber es ist
ein Grab, dass aufgrund der kurzen Herrschaftsdauer des Siptah nicht mal
ansatzweise vollendet werden konnte. Man kann also wunderbar auch die einzelnen
Bauphasen eines Königsgrabes bewundern. Außerdem gibt es einen Durchbruch in
ein weiteres Grab dessen Namen ich gerade nicht mehr im Kopf habe, zu sehen,
welcher wohl von sehr gut informierten Grabräubern angelegt wurde. Obwohl zwar
anfangs im Tal der Könige eh schon unglaublich wenig Touristen waren (das
sollte sich später noch ändern) waren vermutlich in diesem Grab überhaupt keine
Besucher. Umso mehr freute sich der (als wir kamen quer im Gang liegende und
schlafende) Wächter, dass er endlich mal Besucher hatte (Jedes Grab hat ein bis
zwei Wächter, welche die Tickets lochen und die natürlich auch gerne Führungen
anbieten, um sich so noch ein bisschen Bakshish zu verdienen, außerdem kann man
gegen einen gewissen Preis natürlich auch hier die Photokamera auspacken). Wir
ließen uns von ihm das Grab ein bisschen zeigen und durften sogar einen Blick
in den noch hier stehenden äußeren Steinsarkophag werfen indem wir mit ihm auf
die Absperrung kletterten. Nach der (im Anschluss noch mal ausführlicheren)
Besichtigung hinterließen wir einen freudestrahlenden und um ein paar Pfund reicheren
Ägypter und wandten uns unserem Highlight, dem Grab des Ramses des VI. zu,
welches laut Klaus das schönste der derzeit begehbaren Gräber ist. Wir können
das aus unserer Perspektive auf jeden Fall bestätigen, obwohl sich der Schwaig
leider nicht hundertprozentig dem Grab widmen konnte, weil in der redselige
Wächter dauernd in ein Gespräch verwickelte. Das Grab von Ramses VI. ist auch
ein Weiterbau des Grabes von Ramses V., dem vorgehenden Herrscher,
dementsprechend ist es auch ziemlich groß und prächtig. Aber ihr solltet
einfach mal nach Ägypten reisen und es euch anschauen! Bevor wir das Grab
betreten hatten, waren zwischenzeitlich einige Busladungen Touristen aus Ungarn
und Russland angekommen, die nun das Tal bevölkerten. Es ist echt schade wie respektlos
und unhöflich diese Leute teilweise sind. Oder vielleicht auch nur ignorant.
Man weiß es nicht. Wir hoffen jedenfalls, dass du werter Leser, es nicht so
machst, falls du mal nach Ägypten kommst.
Wir beschlossen also, da wir nun sowieso unsere Tickets
verbraucht hatten, wieder Richtung Hotel zurückzugehen und uns auf die
Rückreise nach Cairo vorzubereiten.
Eigentlich wollten wir alles noch besser packen, aber dann
führten wir noch ein nettes und langes Gespräch mit Klaus über Ägypten, andere
Länder, Konsum, Erziehung etc. und dann mussten wir auch schon los zum Zug. Die
Zugreise war tatsächlich recht komfortabel, einziges Manko: Temperaturen wie in
einem Gefrierschrank (wirklich!). Wir haben selbst in unseren Pullis ein
bisschen gefroren. Aber immerhin ist der Zug nicht entgleist und es gab auch
sonst keine Komplikationen. Frühmorgens kamen wir schließlich in Kairo an und
bezogen noch mal ein Zimmer im Lotus-Hotel, wo wir schon davor waren.
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| Noch ein paar Bilder ... |
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| ... vom schönen Marsam-Hotel ... |
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| ... bei Nacht. |



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