Freitag, 3. Oktober 2014

Tal der Könige


Wir sitzen noch gerade auf der traumhaften Terasse unseres Marsamhotels und genießen den beginnenden Sonnenuntergang in unserer Idylle. Wie angekündigt waren wir heute im berühmten Tal der Könige, das insgesamt 64 mehr oder weniger gut erhaltene letzte Ruhestätten der Könige und Königinnen der 18. – 20. Dynastie (ca. 1550 – 1050 B.C.) beinhaltet. Diese sind einzeln über das Gelände verteilt, jedoch längst nicht so weit voneinander weg, wie wir es vermutet hätten (vielleicht maximal einen halben Kilometer...?). Wir sind mit einem ‚Taxi’ (‚nem Typ mit nem fahrbaren Untersatz’ für 15 Pfund an den Eingang gefahren und auch hier muss man sich erstmal durch eine Basarallee bis zum echten Eingang kämpfen. Am Ticketschalter selbst könnten wir dann erneut mit unserer bestechenden Freundlichkeit und einem kleinen Trinkgeld die Verkäufer von der Echtheit unserer deutschen Studentenausweise überzeugen und bekamen auch hier (fast) den halben Preis. Im Tal der Könige kauft man sich immer 3er-Tickets für jeweils 3 Gräber, außerdem gibt es noch Extra-Tickets für zwei besondere Gräber (Ramses VI.: besonders schön, Tutanchamun: besonders berühmt). Wir entschieden uns, den Empfehlungen von Klaus folgend, für jeweils ein 3er-Ticket und Ramses VI. Da ja nur ein Bruchteil der Gräber an den einzelnen Tagen begehbar ist und man bei intensivem Begutachten auch seine Zeit braucht, sind unserer Meinung nach 4 Gräber vollkommen ausreichend. Beim 3er-Ticket entschieden wir uns für Merenptah, Siptah und Tausret & Sethnacht, eine Art Doppelgrab, obwohl man das beim Ticketkauf noch nicht wissen muss. Leider darf man in den Gräbern des Tals keine Photos machen, was man natürlich mit einem gewissen Bakshish umgehen kann, wir entschieden uns aber dagegen und ließen das Ganze einfach ohne Ablenkung auf uns Wirken. Als Erstes besuchten wir das Grab des Merenptah.
Bei diesem Grab ist vor allem die enorme Tiefe, die das Bauwerk erreicht, erwähnenswert. Interessanterweise sind vor allem die Malereien der ersten paar Meter besonders gut erhalten, obwohl dort ja am ehesten Sonneneinstrahlung die Farben bedroht. Wir möchten jetzt gar nicht so sehr auf die Details der Reliefs und Bemalungen eingehen, das muss man einfach selbst sehen.
Weiter ging es dann nach einiger Zeit für uns mit dem Grab von Tausreth und Sethnacht. Tausreth war, wie schon erwähnt, eine ägyptische Herrscherin, die nach dem frühen Tod ihres Stiefsohnes die Macht im Pharaohnenreich übernahm. Sie wurde dann vermutlich von ihrem Liebhaber Sethnacht, einem General, beseitigt, worauf dieser dann eine neue Dynastie (die 19te) begründete und weiterherrschte. Nicht nur dass er Tausreth beseitigte, er übernahm auch gleich das für sie gebaute Grab, ließ ihre Mumie entfernen und ihre Namen tilgen (wenn man es weiß ist das tatsächlich auch gut zu erkennen) und ließ im Anschluss daran einfach weiterbauen, um ein schöneres Grab für sich selbst zu haben.
Als drittes Grab schauten wir uns das Grab des Siptah an. Es ist eigentlich relativ unspektakulär vom künstlerischen Aspekt her aber es ist ein Grab, dass aufgrund der kurzen Herrschaftsdauer des Siptah nicht mal ansatzweise vollendet werden konnte. Man kann also wunderbar auch die einzelnen Bauphasen eines Königsgrabes bewundern. Außerdem gibt es einen Durchbruch in ein weiteres Grab dessen Namen ich gerade nicht mehr im Kopf habe, zu sehen, welcher wohl von sehr gut informierten Grabräubern angelegt wurde. Obwohl zwar anfangs im Tal der Könige eh schon unglaublich wenig Touristen waren (das sollte sich später noch ändern) waren vermutlich in diesem Grab überhaupt keine Besucher. Umso mehr freute sich der (als wir kamen quer im Gang liegende und schlafende) Wächter, dass er endlich mal Besucher hatte (Jedes Grab hat ein bis zwei Wächter, welche die Tickets lochen und die natürlich auch gerne Führungen anbieten, um sich so noch ein bisschen Bakshish zu verdienen, außerdem kann man gegen einen gewissen Preis natürlich auch hier die Photokamera auspacken). Wir ließen uns von ihm das Grab ein bisschen zeigen und durften sogar einen Blick in den noch hier stehenden äußeren Steinsarkophag werfen indem wir mit ihm auf die Absperrung kletterten. Nach der (im Anschluss noch mal ausführlicheren) Besichtigung hinterließen wir einen freudestrahlenden und um ein paar Pfund reicheren Ägypter und wandten uns unserem Highlight, dem Grab des Ramses des VI. zu, welches laut Klaus das schönste der derzeit begehbaren Gräber ist. Wir können das aus unserer Perspektive auf jeden Fall bestätigen, obwohl sich der Schwaig leider nicht hundertprozentig dem Grab widmen konnte, weil in der redselige Wächter dauernd in ein Gespräch verwickelte. Das Grab von Ramses VI. ist auch ein Weiterbau des Grabes von Ramses V., dem vorgehenden Herrscher, dementsprechend ist es auch ziemlich groß und prächtig. Aber ihr solltet einfach mal nach Ägypten reisen und es euch anschauen! Bevor wir das Grab betreten hatten, waren zwischenzeitlich einige Busladungen Touristen aus Ungarn und Russland angekommen, die nun das Tal bevölkerten. Es ist echt schade wie respektlos und unhöflich diese Leute teilweise sind. Oder vielleicht auch nur ignorant. Man weiß es nicht. Wir hoffen jedenfalls, dass du werter Leser, es nicht so machst, falls du mal nach Ägypten kommst.
Wir beschlossen also, da wir nun sowieso unsere Tickets verbraucht hatten, wieder Richtung Hotel zurückzugehen und uns auf die Rückreise nach Cairo vorzubereiten.

Eigentlich wollten wir alles noch besser packen, aber dann führten wir noch ein nettes und langes Gespräch mit Klaus über Ägypten, andere Länder, Konsum, Erziehung etc. und dann mussten wir auch schon los zum Zug. Die Zugreise war tatsächlich recht komfortabel, einziges Manko: Temperaturen wie in einem Gefrierschrank (wirklich!). Wir haben selbst in unseren Pullis ein bisschen gefroren. Aber immerhin ist der Zug nicht entgleist und es gab auch sonst keine Komplikationen. Frühmorgens kamen wir schließlich in Kairo an und bezogen noch mal ein Zimmer im Lotus-Hotel, wo wir schon davor waren.
Noch ein paar Bilder ...

... vom schönen Marsam-Hotel ...

... bei Nacht.

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