Montag, 29. September 2014

Auf nach Luxor

Pünktlich um 6 Uhr wurden wir von Duagdy aus der Wüste abgeholt und im Anschluss fuhren wir gemeinsam mit seiner Familie und ihm in einem Minibus nach Kairo. Die Fahrt dauerte in etwa so lang wie im großen Bus und wurde hauptsächlich mit „Ich-seh-dich-nicht-Spielchen“ mit Duagdys Kinders ausgefüllt. In Kairo angekommen wurden wir dann in Duagdys (Kairo-)Wohnung eingeladen, was wir – nachdem er uns schon zuvor einige Male eingeladen hatte (die Regel ist hier ungefähr: wenn man eine Einladung drei mal abgeschlagen hat und sie das vierte Mal kommt ist sie wirklich ernst gemeint und es wäre für den Gastgeber beschämend wenn man ablehnt), konnten (und wollten sowieso nicht) wir nicht ablehnen und kamen mit. Nach etwas Tee und den üblichen Höflichkeiten brachen Duagdy und seine Familie wieder auf, weil der kleine Said zum Arzt musste, glücklicherweise war es aber nichts schlimmes, er isst wohl nur zu viele Süßigkeiten (es ist durchaus üblich dass jeder hier Kindern – auch fremden – Süßigkeiten schenkt, dementsprechend ist das natürlich schwierig). Wir nutzten die Zeit um uns etwas auszuruhen. Im Anschluss, als wieder alle da waren, gab es dann ein etwas einfacheres, aber leckeres Abendessen mit Fladenbrot, Frischkäse, Ei und Chips (Auch so etwas unerwartetes hier: Kartoffelchips als Abendessen sind keine Seltenheit) und als Nachspeise Joghurt. Währenddessen machten wir unsere weiteren Pläne (es war etwas schwierig, Duagdy davon zu überzeugen, dass wir erstmal nur nach Luxor wollten und keine Tour oder ähnliches haben wollten, er hätte uns gerne weitervermittelt) und beschlossen, dass wir am Busbahnhof versuchen wollten, noch einen Nachtbus nach Luxor zu erwischen. Also verabschiedeten wir uns von Duagdys netter Familie, die uns sehr ans Herzen gewachsen war mit provisorischen Gastgeschenken, die wir aus unseren nicht unentbehrlichen Habseligkeiten zusammengekratzt hatten (Ein europäisches Reisebesteck für Duagdy, Ohrringe für seine Frau, bayerische Spielkarten für Said und eine Kuscheltierratte für die kleine Ruagda) und los gings. Duagdy begleitete uns zum Busbahnhof, was auch ganz gut war, den die Fahrt dorthin war ein Abenteuer für sich. Zunächst nahmen wir ein TukTuk, eine Art zum Taxi umgebautes Motorrad mit insgesamt drei Rädern (diese Dinger gibt es echt überall, Südamerika, Asien, Afrika, total faszinierend). Das TukTuk brachte uns bis zur Hauptstraße, weil die Straßenverhältnisse bis dort hin ein Fortkommen per Taxi kaum möglich machten. Das Viertel, durch das wir fuhren, erinnerte stellenweise durchaus an ein Slum, obwohl es vermutlich nicht zu den ärmsten Gegenden von Kairo gehörte. An der Haupstraße gingen wir dann ein paar Meter zu Fuß zu einer Art Taxisammelpunkt. Auf dem Weg dorthin waren wir die Attraktion schlechthin, in diese Gegend von Kairo verirren sich wohl eher selten Europäische Touristen. Vom Taxibahnhof wurde es dann eher wieder verhältnismäßig unspektakulär, eine normale Taxifahrt durch Kairo eben, mit allem was dazugehört: Hupen, scherzhaftes Antäuschen von Zusammenstößen, mehr Hupen, Gegenspur benutzen und laut hupend darauf aufmerksam machen usw...
Am Busbahnhof konnten wir mit viel Glück und Duagdys Hilfe noch Tickets nach Luxor bekommen, wir mussten noch nicht mal lange warten und dann ging es auch schon los. Wir verabschiedeten uns von unserem guten Freund Duagdy (den ich an dieser Stelle jedem, der gerne mal in Ägypten eine Wüstentour machen möchte als Kontaktmann empfehlen möchte. Ich möchte hier jetzt eigentlich keine Werbung für irgendwelche Reiseanbieter oder so machen, aber er war echt ein Mann von überragender Freundlichkeit, weshalb ich es hier doch tue).

Die Fahrt nach Luxor war lang und ereignisarm, mit Ausnahme der vielen Militär-Kontrollposten die der Bus (ungehindert) passieren musste. Früh morgens in Luxor angekommen schlugen wir uns dann erstmal zur Fähre, dann über den Nil aufs Westufer (wo das alte Theben einst stand) und anschließend zum uns empfohlenen Hotel Marsam durch. Das Hotel ist traumhaft schön und seinen Preis allemal wert, es gibt einen herrlichen Garten und auch die Zimmer sind sehr ausgezeichnet. Außerdem hat es eine traumhafte Lage: Man kann fast alle Sehenswürdigkeiten von Luxors Westufer (was wirklich viele sind) zu Fuß besichtigen. Wir legten uns recht bald hin und holten ein wenig bei der Busfahrt verpassten Schlaf nach.

Unser Gepäck auf dem Dach des Minibuses

Duagdys Wohnung in Kairo: Eines der Schlafzimmer

Wohnzimmer

Duagdy und seine Familie

Unsere neue feudale Unterkunft in Luxor

1 Kommentar:

  1. Wir liiiieben Euren blog und warten immer schon gespannt auf die Fortsetzung.
    Vielleicht solltet Ihr Reiseführer veröffentlichen, bei uns auf jeden Fall weckt Ihr
    die Reiselust und eine (bis dahin verborgene) Sehnsucht nach Ägypten. U & Z

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