Wir sind heute in Kairo angekommen und durften bereits in
den wenigen Stunden hier einiges von den ägyptischen Gewohnheiten kennen
lernen.
Die Umstellung von den deutschen Gewohnheiten nach Ägypten
fängt eigentlich in dem Moment an, wo man aus dem Flugzeug aussteigt und von
der 37°C warmen Luft begrüßt wird. Tatsächlich stimmen aber die Eindrücke, die
man von anderen Menschen und Reiseführern dazu hört: Ja, es ist heiß. Aber
längst nicht so erdrückend heiß wie vielleicht ein Hochsommertag in
Deutschland, da hier die Luftfeuchtigkeit bei nur etwa 30% liegt und daher
keine Schwüle aufkommt.
Mit dem Bus geht es dann zum Flughafeneingang (zumindest
vermuten wir das aus der für uns nicht leserlichen arabischen Schrift) und
direkt auf sechs Geldwechselschalter zu. Davon sind drei nicht besetzt, hinter
einem sitzt ein Mann, der nur hinter dem Computer sitzt und niemanden bedienen
will und an den beiden anderen Schaltern wird man bedient. Zumindest im
Ermessensrahmen von den Angestellten, denn an einem Schalter wurde uns zwar
Geld gewechselt, aber kein Touristenvisum ausgegeben, das man wohl nur am
anderen Schalter bekommt. Kurz darauf sehe ich aber an dem Schalter, wo ich
gerade war, wie zwei andere Menschen ein Visum bekommen. Ich frage daraufhin
nochmals nach, der Mann gestikuliert aber nur, dass er uns kein Visum geben
möchte. Also doch zum anderen Schalter – Visum kaufen. Als ich mit ägyptischen
Pfund bezahlen will, fragt er mich woher ich denn das Geld, aber kein Visum
habe und geht daraufhin zu seinen Kollegen (von der Konkurrenz) und zwingt ihn
dazu uns doch ein Visum zu verkaufen – warum auch immer. Da der Schwaig aber
ein längeres Visum braucht und der am Schalter davon auch keine Ahnung hat,
werden wir zum „Immigration-desk“ geschickt. Der erklärt uns wiederum, dass er
sich halt einfach jetzt und später noch mal ein Visum kaufen soll. Also wieder
zurück zum Schalter, Visum kaufen und dann endlich Richtung Grenzkontrolle und
Gepäckaufgabe. Nachdem alles so lange gedauert hat ist dort eigentlich nur noch
Reinigungspersonal, wir finden dann aber doch noch jemanden, der uns
durchlässt. Durch die Grenzkontrolle durch empfängt uns bereits ein Mann mit
Trolley und drei Gepäckstücken, von denen uns aber nur zwei gehören – alle
anderen Passagiere sind wohl bereits längst mit dem Prozedere fertig.
Sobald man den Sicherheitsbereich des Flughafens verlässt,
wird man bereits von zahlreichen Taxi- und / oder Limousinenfahrern bedrängt
doch mit ihnen mitzufahren. Wir laufen den ersten Anbietern erst einmal davon
und sortieren kurz unsere Sachen am Flughafen, als ein Mann anfängt uns mit
seinem Smartphone zu fotografieren. Als wir das bemerken, gestikuliert er, dass
er gerne seine ganze Familie mit uns ablichten möchte. Also werden Photos mit
uns und abwechselnd mit ihren Kindern, dem Opa, dem Vater oder Frau und Tante
gemacht. Wir wundern uns schon ein wenig, warum ausgerechnet am Flughafen
Touristen so eine Besonderheit sind, aber was soll’s. Leider haben wir keine
Gegenphotos gemacht, machen wir aber hoffentlich nächstes mal.
Zurück in der Taxifahrerschlacht werden wir wieder von allen
möglichen (ausschließlich männlichen) Taxifahrern dazu gedrängt mit ihnen
mitzufahren. Wir fangen wild an zu verhandeln, da wir mit dem Taxi zum Hotel
fahren wollen. Dabei war eine Verhandlung besonders spannend: ein Herr schlägt
uns vor uns für 100 ägyptische Pfund (E.P., ca. 11 Euro) zum Hotel zu fahren.
Als wir ihm erstmal sagen, dass es zu hoch ist, nimmt er mir vorsichtshalber
schon mal mein Gepäckstück aus der Hand und möchte uns mitnehmen – wir sagen
ihm dann, dass wir nur für 40 Pfund mitfahren und er schlägt dann 80 Pfund vor.
Wir nehmen unsere Gepäckstücke wieder zurück und gehen Richtung Taxistände.
Dann schlägt mir sein Zuarbeiter (gehört zumindest zu ihm) weiterhin vor uns
für 100 Pfund, also doch wieder für mehr mitzunehmen. Irgendwann kommt er auf
die Idee uns Touris noch eine Preiserhöhung aufs Auge zu drücken: 20 US-$. Dass
wir ihm schon 20 mal gesagt haben, dass wir nicht mit ihm mitfahren und er die
Preise steigert statt senkt möchte er dabei nicht hören. Schließlich finden wir
einen netten Taxifahrer, der uns für 60 E.P. (ca. 6,50€) zum Hotel fahren
würde. Er hat auch schon einen anderen Fahrgast an Bord, der aber auch
zeitgleich sein Navigator ist und sich von unserem aufdringlichen Anbieter den
Weg erklären lässt. Trotz der Konkurrenz und der zuvorigen Schlechtrederei
aller anderen Taxen sind sie untereinander plötzlich wieder beste Kollegen. Er
schiebt uns sogar das Taxi die ersten Meter an – was auch notwendig ist, damit
das Auto überhaupt starten kann. Sitzgurte sind in dem Taxi auch überbewertet,
wir finden dann aber doch noch zwei funktionierende.
Das Autofahren in Ägypten ist so eine Sache. Es wird im
Straßenverkehr mehr gehupt als auf irgendeiner Hochzeit mit Autokonvoi in
Deutschland. Verkehrsregeln sind auf den ersten Blick kaum vorhanden und es
wird einfach wild abgekürzt und auch mal der Hinweis auf gesperrte Straßen
ignoriert. Zwischen den unzähligen Autos dieser 18-Millionen-Stadt, die sich
allesamt an ihren eigenen Verkehrsvorstellungen orientieren, findet man dann
auch (meist völlig überladene) Roller, Motorräder und selten auch Kutschen, die
sich allesamt durch die Straßen der Großmetropole schlängeln. Der sehr nette
Taxifahrer versucht uns trotz sehr geringer Englischkenntnisse unterwegs ein
paar Sehenswürdigkeiten für uns verständlich zu benennen, als wir am
Tahrirplatz vorbeifahren fallen dann zur Erklärung die Wörter Mubarak und
Mursi.
Im Lotus Hotel angekommen finden wir sehr nettes Personal
mit guten Englischkenntnissen. Die Qualität entspricht in etwa dem, was wir
gezahlt haben: 17€ für uns beide in einem Doppelzimmer inkl. Frühstück. Wir
haben ein eigenes Bad, von dem ich morgen vielleicht mal ein paar Photos machen
sollte, und immerhin Fenster und eine Klimaanlage, was uns völlig ausreicht. Dafür
sind wir mitten im Stadtzentrum, bzw. Downtown, einer riesigen hell
erleuchteten Einkaufsmeile, die der Münchner Fußgängerzone Konkurrenz macht.
Inzwischen ist es auch schon 21 Uhr geworden und wir
beschließen, noch einmal auf die Straße und auf Abendessensjagd zu gehen. Die
allermeisten Geschäfte haben noch offen, sogar Autohändler und
Kleidungsgeschäfte sind noch geöffnet. Bestimmt eine halbe Stunde verbringen
wir dann mit zwei jungen Ägyptern, die – obwohl sie kein Wort Englisch können –
uns auf der Straße ansprechen und unbedingt mit uns ratschen wollen. Durch
Wortbruchteile und Gestikulieren gratulieren sie „uns“ dann zur
Fußballweltmeisterschaft, als sie erfahren, dass wir Deutsche sind. Irgendwann
halten sie einfach noch jemanden wildfremdes auf und lassen ihn dann im
gebrochenen Englisch alles mögliche übersetzen, sodass wir uns über Ägypten und
die Welt unterhielten. Diese Offenheit und auch Spontanität fand ich doch sehr
beeindruckend, macht mir aber auch klar, dass wir uns auf unsere Stirn auch
genau so gut „Touris“ tätowieren lassen könnten.
Nach ein paar Runden durch die Straßen und ein paar
Eindrücken (alte Menschen setzen sich manchmal einfach samt Stuhl auf den
Gehweg, um die Stadt zu beobachten und mit Menschen zu ratschen) entschließen wir
uns dazu, in das Restaurant „Café Riche“ zu gehen, das bei uns in der Straße
ist. Wir essen ein paar traditionellere Speisen wie z.B Linsensuppe, gefüllte
Reisblätter und Kofta. Der orientalische Reis, den man hier ordern kann
beinhaltet aber neben Gewürzen und Rosinen auch gekochte Leber oder andere
Innereien – damit hatten wir nicht gerechnet. Hier kann man aber an sich gut
und auch für ägyptische Verhältnisse preiswert essen, wir werden beide für zusammen
ca. 15 Euro sehr gut satt. Zurück im Hotel stellen wir fest, dass das Café Riche
sogar in unserem Reiseführer empfohlen war und laut Angaben dort die „Kairoer
Intelligenzia“ wohl gerne mal diskutiert – davon haben wir aber leider nichts
gemerkt, was natürlich auch an fehlenden Arabischkenntnissen liegen könnte.
Vom heutigen Tage gibt es leider keine Photos, dafür wurde
ja alles mit Text gefüllt. Ich hoffe, dass der Blog in den nächsten Tagen mehr
Bilder und ein bisschen weniger Text bieten wird.
Viele Grüße,
Eure Philine
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