Mittwoch, 24. September 2014

Ankommen in Ägypten

Wir sind heute in Kairo angekommen und durften bereits in den wenigen Stunden hier einiges von den ägyptischen Gewohnheiten kennen lernen.

Die Umstellung von den deutschen Gewohnheiten nach Ägypten fängt eigentlich in dem Moment an, wo man aus dem Flugzeug aussteigt und von der 37°C warmen Luft begrüßt wird. Tatsächlich stimmen aber die Eindrücke, die man von anderen Menschen und Reiseführern dazu hört: Ja, es ist heiß. Aber längst nicht so erdrückend heiß wie vielleicht ein Hochsommertag in Deutschland, da hier die Luftfeuchtigkeit bei nur etwa 30% liegt und daher keine Schwüle aufkommt.
Mit dem Bus geht es dann zum Flughafeneingang (zumindest vermuten wir das aus der für uns nicht leserlichen arabischen Schrift) und direkt auf sechs Geldwechselschalter zu. Davon sind drei nicht besetzt, hinter einem sitzt ein Mann, der nur hinter dem Computer sitzt und niemanden bedienen will und an den beiden anderen Schaltern wird man bedient. Zumindest im Ermessensrahmen von den Angestellten, denn an einem Schalter wurde uns zwar Geld gewechselt, aber kein Touristenvisum ausgegeben, das man wohl nur am anderen Schalter bekommt. Kurz darauf sehe ich aber an dem Schalter, wo ich gerade war, wie zwei andere Menschen ein Visum bekommen. Ich frage daraufhin nochmals nach, der Mann gestikuliert aber nur, dass er uns kein Visum geben möchte. Also doch zum anderen Schalter – Visum kaufen. Als ich mit ägyptischen Pfund bezahlen will, fragt er mich woher ich denn das Geld, aber kein Visum habe und geht daraufhin zu seinen Kollegen (von der Konkurrenz) und zwingt ihn dazu uns doch ein Visum zu verkaufen – warum auch immer. Da der Schwaig aber ein längeres Visum braucht und der am Schalter davon auch keine Ahnung hat, werden wir zum „Immigration-desk“ geschickt. Der erklärt uns wiederum, dass er sich halt einfach jetzt und später noch mal ein Visum kaufen soll. Also wieder zurück zum Schalter, Visum kaufen und dann endlich Richtung Grenzkontrolle und Gepäckaufgabe. Nachdem alles so lange gedauert hat ist dort eigentlich nur noch Reinigungspersonal, wir finden dann aber doch noch jemanden, der uns durchlässt. Durch die Grenzkontrolle durch empfängt uns bereits ein Mann mit Trolley und drei Gepäckstücken, von denen uns aber nur zwei gehören – alle anderen Passagiere sind wohl bereits längst mit dem Prozedere fertig.
Sobald man den Sicherheitsbereich des Flughafens verlässt, wird man bereits von zahlreichen Taxi- und / oder Limousinenfahrern bedrängt doch mit ihnen mitzufahren. Wir laufen den ersten Anbietern erst einmal davon und sortieren kurz unsere Sachen am Flughafen, als ein Mann anfängt uns mit seinem Smartphone zu fotografieren. Als wir das bemerken, gestikuliert er, dass er gerne seine ganze Familie mit uns ablichten möchte. Also werden Photos mit uns und abwechselnd mit ihren Kindern, dem Opa, dem Vater oder Frau und Tante gemacht. Wir wundern uns schon ein wenig, warum ausgerechnet am Flughafen Touristen so eine Besonderheit sind, aber was soll’s. Leider haben wir keine Gegenphotos gemacht, machen wir aber hoffentlich nächstes mal.
Zurück in der Taxifahrerschlacht werden wir wieder von allen möglichen (ausschließlich männlichen) Taxifahrern dazu gedrängt mit ihnen mitzufahren. Wir fangen wild an zu verhandeln, da wir mit dem Taxi zum Hotel fahren wollen. Dabei war eine Verhandlung besonders spannend: ein Herr schlägt uns vor uns für 100 ägyptische Pfund (E.P., ca. 11 Euro) zum Hotel zu fahren. Als wir ihm erstmal sagen, dass es zu hoch ist, nimmt er mir vorsichtshalber schon mal mein Gepäckstück aus der Hand und möchte uns mitnehmen – wir sagen ihm dann, dass wir nur für 40 Pfund mitfahren und er schlägt dann 80 Pfund vor. Wir nehmen unsere Gepäckstücke wieder zurück und gehen Richtung Taxistände. Dann schlägt mir sein Zuarbeiter (gehört zumindest zu ihm) weiterhin vor uns für 100 Pfund, also doch wieder für mehr mitzunehmen. Irgendwann kommt er auf die Idee uns Touris noch eine Preiserhöhung aufs Auge zu drücken: 20 US-$. Dass wir ihm schon 20 mal gesagt haben, dass wir nicht mit ihm mitfahren und er die Preise steigert statt senkt möchte er dabei nicht hören. Schließlich finden wir einen netten Taxifahrer, der uns für 60 E.P. (ca. 6,50€) zum Hotel fahren würde. Er hat auch schon einen anderen Fahrgast an Bord, der aber auch zeitgleich sein Navigator ist und sich von unserem aufdringlichen Anbieter den Weg erklären lässt. Trotz der Konkurrenz und der zuvorigen Schlechtrederei aller anderen Taxen sind sie untereinander plötzlich wieder beste Kollegen. Er schiebt uns sogar das Taxi die ersten Meter an – was auch notwendig ist, damit das Auto überhaupt starten kann. Sitzgurte sind in dem Taxi auch überbewertet, wir finden dann aber doch noch zwei funktionierende.
Das Autofahren in Ägypten ist so eine Sache. Es wird im Straßenverkehr mehr gehupt als auf irgendeiner Hochzeit mit Autokonvoi in Deutschland. Verkehrsregeln sind auf den ersten Blick kaum vorhanden und es wird einfach wild abgekürzt und auch mal der Hinweis auf gesperrte Straßen ignoriert. Zwischen den unzähligen Autos dieser 18-Millionen-Stadt, die sich allesamt an ihren eigenen Verkehrsvorstellungen orientieren, findet man dann auch (meist völlig überladene) Roller, Motorräder und selten auch Kutschen, die sich allesamt durch die Straßen der Großmetropole schlängeln. Der sehr nette Taxifahrer versucht uns trotz sehr geringer Englischkenntnisse unterwegs ein paar Sehenswürdigkeiten für uns verständlich zu benennen, als wir am Tahrirplatz vorbeifahren fallen dann zur Erklärung die Wörter Mubarak und Mursi.
Im Lotus Hotel angekommen finden wir sehr nettes Personal mit guten Englischkenntnissen. Die Qualität entspricht in etwa dem, was wir gezahlt haben: 17€ für uns beide in einem Doppelzimmer inkl. Frühstück. Wir haben ein eigenes Bad, von dem ich morgen vielleicht mal ein paar Photos machen sollte, und immerhin Fenster und eine Klimaanlage, was uns völlig ausreicht. Dafür sind wir mitten im Stadtzentrum, bzw. Downtown, einer riesigen hell erleuchteten Einkaufsmeile, die der Münchner Fußgängerzone Konkurrenz macht.
Inzwischen ist es auch schon 21 Uhr geworden und wir beschließen, noch einmal auf die Straße und auf Abendessensjagd zu gehen. Die allermeisten Geschäfte haben noch offen, sogar Autohändler und Kleidungsgeschäfte sind noch geöffnet. Bestimmt eine halbe Stunde verbringen wir dann mit zwei jungen Ägyptern, die – obwohl sie kein Wort Englisch können – uns auf der Straße ansprechen und unbedingt mit uns ratschen wollen. Durch Wortbruchteile und Gestikulieren gratulieren sie „uns“ dann zur Fußballweltmeisterschaft, als sie erfahren, dass wir Deutsche sind. Irgendwann halten sie einfach noch jemanden wildfremdes auf und lassen ihn dann im gebrochenen Englisch alles mögliche übersetzen, sodass wir uns über Ägypten und die Welt unterhielten. Diese Offenheit und auch Spontanität fand ich doch sehr beeindruckend, macht mir aber auch klar, dass wir uns auf unsere Stirn auch genau so gut „Touris“ tätowieren lassen könnten.
Nach ein paar Runden durch die Straßen und ein paar Eindrücken (alte Menschen setzen sich manchmal einfach samt Stuhl auf den Gehweg, um die Stadt zu beobachten und mit Menschen zu ratschen) entschließen wir uns dazu, in das Restaurant „Café Riche“ zu gehen, das bei uns in der Straße ist. Wir essen ein paar traditionellere Speisen wie z.B Linsensuppe, gefüllte Reisblätter und Kofta. Der orientalische Reis, den man hier ordern kann beinhaltet aber neben Gewürzen und Rosinen auch gekochte Leber oder andere Innereien – damit hatten wir nicht gerechnet. Hier kann man aber an sich gut und auch für ägyptische Verhältnisse preiswert essen, wir werden beide für zusammen ca. 15 Euro sehr gut satt. Zurück im Hotel stellen wir fest, dass das Café Riche sogar in unserem Reiseführer empfohlen war und laut Angaben dort die „Kairoer Intelligenzia“ wohl gerne mal diskutiert – davon haben wir aber leider nichts gemerkt, was natürlich auch an fehlenden Arabischkenntnissen liegen könnte.

Vom heutigen Tage gibt es leider keine Photos, dafür wurde ja alles mit Text gefüllt. Ich hoffe, dass der Blog in den nächsten Tagen mehr Bilder und ein bisschen weniger Text bieten wird.

Viele Grüße,
Eure Philine

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