Montag, 29. September 2014

Wüstentour

Endlich kommt mit etwas Verspätung nun Samstag und Sonntag. Leider hatten wir gestern Abend nicht mehr die Möglichkeit ins Internet zu gehen.
Um 7:30 Uhr sollten wir ja vor dem Hotel abgeholt werden, um unsere 2-Tägige Jeep-Wüstentour mit Übernachtung in der Wüste, am Lagerfeuer gekochten Beduinenessen und Bademöglichkeit in heißen Naturquellen (weil es hier ja so kalt ist ;) ) anzutreten. Der Plan war, dass wir mit dem Bus nach El-Baharîya (Baharija), einem Oasengebiet in der westlichen ägyptischen Wüste. Die Oase gehört zu den vier großen Oasen des sogenannten ‚Neuen Tals’. Gleich am Morgen, als wir von Alis „Onkel“ angeholt wurden, hieß es gleich, dass eine Übernachtung in der Wüste nicht möglich ist, da das Militär das jetzt „neuerdings“ verbietet. Die Freude war groß und der Unmut über diesen Ali und seine Versprechungen stieg stetig. Nach einer etwa 5-stündigen Busfahrt, die fast ausschließlich durch die Wüste oder winzige Ortschaften mit kleinen Oasen oder einzelnen Häusern, die den Grundwasserspiegel angezapft haben ging (Ein alter Imam versuchte während dem größten Teil der Fahrt den Schwaig zum Islam zu bekehren, dabei kamen gute Worte in mäßigem Englisch, Bonbons, eine Autozeitschrift und beinahe die Mütze des Imams zum Einsatz), waren wir schließlich in Baharija, wo wir von unserem Guide Duagdy mit seinem Jeep für unsere Zweitagestour abgeholt wurden. Da erfuhren wir dann, dass Ali mit ihm nur eine Tour für einen Tag ausgemacht hat... und die Übernachtung in der Wüste sei auch nicht möglich... Duagdy aber war selbst sehr freundlich und sehr wütend auf Ali – vor allem, als er dessen Gewinnspanne für diese Sache erfuhr. Wir beschlossen aber, unseren Ärger gemeinsam zur Seite zu legen und den Tag zu genießen – genau die richtige Entscheidung!

Black Desert
Zuallererst lud uns Duagdy zum Essen ein und danach ging es raus in den Nationalpark der Wüste, beginnend mit der so genannten „schwarzen Wüste“. Vor vielen Jahrtausenden ist hier ein Vulkan ausgebrochen (der aber schon seit langer Zeit ruht), der eine riesige Fläche der Wüste (wie groß genau wusste er nicht) mit schwarzen Steinen, Felsen und Staub bedeckt hat. Wenn man die oberen Schichten zur Seite schiebt, kommt darunter zwar auch wieder normaler Wüstensand zum Vorschein, dieser ist aber auch mit schwarzem Staub gemischt. Den richtigen Kontrast zur schwarzen Wüste bildete dann die „weiße Wüste“, welche wir im Anschluss besucht haben. Hier befindet sich im Wüstensand ein Meer von weißen, sehr kalkreichen Steinen, die auch teilweise größere Flächen massiv ausfüllen. Das klingt jetzt alles nicht so beeindruckend – weil man es auch einfach schlichtweg nicht in Worte fassen kann und auch die Bilder nicht den Zauber dieser endlosen Wunderstätte von sich geben können. Wer mal nach Ägypten fährt und aus dem Staunen nicht mehr herauskommen möchte, der sollte unbedingt sich diese Wüstenphänomene ansehen.
Wüstenpilze
Welche Wüste jedoch alle anderen in den Schatten stellt (was bei Wüsten schon besonders schwierig ist ;)), ist schließlich die dritte besondere Art von Wüste, die wir kennenlernen durften. Die „Mushroom-Waste“. Über eine riesige Fläche (allein bei uns eine Viertelstunde Autofahrt zu jeder Seite) verteilt, stehen tausende von „Wüstenpilzen“, die eine besondere Form der Gesteinsausbildung aus den Zeiten darstellt, als das Meer noch dort war, wo jetzt Wüste ist. Der hohe Salzgehalt und auch hier wieder kalkhaltige Gesteine wurden immer wieder umspült und so haben sich oft meterhohe Skulpturen ausgebildet, in denen man eben Pilze, oder auch mal Kamele, Hähne, Hasen oder sonstige Phantasietiere erkennen kann. Auch hier gilt wieder: nicht im Blog lesen und im Internet ansehen, sondern hinfahren und staunen – sonst kann man diese Schönheit gar nicht wirklich umschreiben.
Da wir viel Zeit mit Staunen verbracht hatten, konnten wir sogar den Sonnenuntergang in der Wüste erleben, der wiederum sehr schnell verlief (auch, weil die Sonne bald im Staub verschwindet), aber dennoch ein prächtiges Farbenspiel hinterließ. Bereits in der Dämmerung hielten wir noch am „Crystal Mountain“ an, einer Steinformation, die sich als Torbogen herausgebildet hat.

Für den Oasenbesuch in Farafra war natürlich dank der Planung nur für einen Tag keine Zeit mehr, jedoch hatten wir bis dahin einen so wundervollen eindrucksstarken Tag mit Duagdy verbracht, dass wir trotzdem glücklich und zufrieden waren. Wir versuchten Duagdy jedoch noch intensiv dazu zu überreden, dass man vielleicht doch noch in der Wüste übernachten könnte (oder zumindest sonst irgendwo draußen). Er klärte uns dann darüber auf, dass wohl vor ein paar Tagen sich lybische Schmuggler als Touristen ausgegeben hätten und seitdem das Militär ein wenig strengere Kontrollen darüber durchführt, wer sich wann in der Wüste aufhält – er versprach uns aber, noch mal beim Militär nachzufragen, ob wir nicht vielleicht doch übernachten könnten. Er lud uns zum Abendessen zu sich nach Hause ein, wo wir seine Familie kennenlernen durften. Uns wurde angeboten, draußen auf einem Teppich mit einem kleinen niedrigen Tisch zu essen, was wir natürlich gerne annahmen. Uns wurde ein typisch ägyptisch-beduinisches Abendbrot mit Fladenbrot, Kartoffel-Tomaten-Gekochtem, Suppe, Foul und Fleisch serviert zusammen mit frisch gepresstem Mangosaft (kein Vergleich zu gekauftem deutschen!) und danach natürlich Tee. Nach dem Abendessen konnten wir noch ein wenig die Atmosphäre genießen, bevor wir erfuhren, dass wir wohl doch in der Wüste übernachten könnten!

In Baharija (aber auch in Kairo und sonst in Ägypten) sind
Fuhrwerke noch immer gebräuchlich
Philine in der schwarzen Wüste
Suchspiel

Der Beduine von heute fährt Jeep (und hat meistens Touristen dabei)

Manche Landstriche werden bewässert




Duagdy in seinem Jeep

Fußspuren im Sand ;)




Mushroom-Chicken

Wieder eins für den Dani

Philine im Rabbit-Hole

Hasenbraten auf den Tisch oder Kaninchen aus dem Hut,
wie ihr wollt ... :)



Eine Nacht in der Wüste

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