Obwohl man spätestens ab 7 Uhr morgens im Halbschlaf dank der Hupkonzerte auf der Straße ist, haben wir heute haben wir ein bisschen länger geschlafen, weil wir gestern doch recht müde waren und uns auch die Hitze ein bisschen ermüdet. Frühstück im Hotel war eher karg, vielleicht aber auch deshalb, weil wir es nicht kapiert haben, was man so alles bestellen könnte (es gibt kein Buffet, sondern Bedienung). Einige der anderen Gäste hatten zumindest durchaus ordentlich was bekommen. Wir werden es vermutlich übermorgen sehen (morgen gehen wir schon vor dem Frühstück aus dem Haus).
Danach wollten wir direkt los um uns ein paar
Sehenswürdigkeiten von Kairo anzusehen und unter Umständen unterwegs eine
ägyptische SIM-Karte zu kaufen (ich habe mit den Leuten von der Uni und vom
Forschungsteam ausgemacht, dass ich das tun würde). Wir waren noch nicht weit
gekommen, als uns ein netter Ägypter namens Ahmet (?), oder auch „Gabriel,
that’s my grandfather’s name, it’s easier for you“ über die Gefahren der
Straßenüberquerung in Kairo uns generell aufklärte. Natürlich wollte er wissen
wo wir herkämen und was wir hier machten und natürlich war dann Deutschland
auch sein Lieblingsland nach Ägypten und sein Cousin hat zufälligerweise ein
„Bussiness“ wo man eine Straßenkarte bekommt (nach der wir ihn auch gefragt
hatten). Also erstmal zum „Business“ seines Cousins (Ali), dass sich als eine
Art Reisebüro kombiniert mit einem Touri-Kitsch-Laden herausstellte. Es gab
auch Stadtpläne und wir waren erst ‚such nice people’ und dann ein paar Minuten
und einen Tee später ‚friends’ und dann ‚like brother and sister to me’. Man
bot uns neben der Straßenkarte und während das Tee-Trinkens verschiedene
touristische Touren an, darunter a) Tagestour zu den Pyramiden von Gizeh, Sacchara
und Memphis, b) 2-Tagestour ‚into the black and white desert’ mit Besuch und
Übernachtung bei den Beduinen, sowie die Oasen Bahariya und Farfra und c)
4-Tages-Tour nach Assuan, Abu-Simbel und Luxor mit verschiedenene
Besichtigungen alter Sehenswürdigkeiten und Nilbootsfahrt etc. Das Angebot für
die Pyramidentour (20 Euro für uns zwei, beziehungsweise 30 wenn es von
Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geht) klang für uns ganz fair (obwohl wir
natürlich keine Ahnung haben, zuvor hatten wir ein anderes Angebot im Hotel für
25US-$ erhalten) und wir hatten auch Lust auf die Wüstentour, also haben wir
mal das Kombo-Paket gewählt. Nach ein bisschen Verhandeln, wo wir uns
vermutlich nicht so gut geschlagen haben, haben wir den Gesamtpreis noch insg.
drei mal etwas gedrückt und uns für morgen früh um 4 Uhr zur Tour verabredet.
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| "But don't call Osama Bin Laden, because then I would go to jail!" |
Im Anschluss gingen wir dann mit ‚Gabriel’ noch eine
SIM-Karte kaufen, er behauptete dass ginge nur mit Ägyptischer ID-Card. Keine
Ahnung ob das gestimmt hat, aber es war sicher nicht verkehrt einen
arabischsprachigen Helfer zu haben. Also habe ich jetzt unter eines Anderen
Namen eine SIM-Karte und ein neues Handy für insgesamt 220 EGP, also etwa 20
Euro, gekauft.
Als wir dann eigentlich weiter in die Stadt wollten, wurden
wir dann auch noch angesprochen, ob wir nicht Lust hätten für einen „guten
Freund, der bald heiratet“ Alkohol im Duty-Free Shop zu kaufen – das dürfe man
ja nicht als guter Moslem... hinter solchen Angeboten stehen dann doch wohl
eher keine Hochzeiten, sondern vielmehr ein gutes Geschäft, wo man sich als
Tourist besser raushalten sollte, für so was gibt’s dann auch einen Eintrag im
Reisepass – muss ja nicht sein!
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| Panorama von der Zitadelle aus |
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| Mohammed-Ali-Moschee |
Das mit Sicherheit sehenswerteste auf der Citadelle oben ist
die Mohammed-Ali-Moschee (auch Alabastermoschee) aus dem 19. Jahrhundert, deren
riesige Kuppeln innen mit zahlreichen kleinen Leuchten und gigantischen
Kronleuchtern abends angeleuchtet werden. Davor befindet sich noch ein offener
Hof, in dem man auch Waschungen vornehmen kann. Für alle Moscheen gilt
natürlich, dass man unbedingt die Schuhe ausziehen sollte (manche Touris haben
auch stattdessen Plastiküberzieher für die Schuhe (5 E.P) genommen), sich als
Frau verhüllen (Kopf bzw. ggf. Arme) und als Mann lange Hosen tragen sollte.
Obwohl eigentlich jeder, der ein islamisch geprägtes Land betritt diese
Spielregeln bereits gehört hat, finden wir trotzdem Frauen ohne Kopftuch vor,
was wir doch etwas irritierend finden. Spätestens seit dem Betreten der Moschee
jedoch ist die wahre Attraktion nicht mehr die Moschee, sondern wir. Gefühlt
hunderte, jedoch bis zum Verlassen der Citadelle mit Sicherheit 50 vor allem
junge Menschen wollen sich unbedingt mit uns fotografieren lassen. Anfangs
fotografieren sie uns immer zuerst heimlich, sobald aber jemand uns fragt und
wir uns mit ihnen ablichten lassen stehen auf einmal bis zu 20 Menschen um uns
rum, zücken alle ihre Handys und wollen sich allesamt in verschiedenen
Konstellationen ablichten lassen. Dabei wird man immer sofort nach Name und
Herkunftsland gefragt. Später wird die Philine auch angesprochen, warum sie
(außerhalb der Moschee) ein Kopftuch trägt. Wir besichtigen auch noch die
El-Nasir Moschee auf der Citadelle, die längst nicht so prunkvoll ist wie die
Mohammed-Ali Moschee, aber dennoch ihren eigenen Reiz hat – der Großteil davon
ist unter freiem Himmel.
Wieder auf dem Weg zurück streifen wir kurz durch viele
Straßenverkaufsstände als Art Bazar und machen uns dann auf die Suche nach
einem Minibus-Gruppentaxi. Diese Kleinbusse sind ein recht praktisches und vor
allem günstiges Verkehrsmittel, wenn man es nicht eilig hat und etwas erleben
möchte. In den Bus, der etwa so groß wie ein VW-Bus ist hat man zwei
zusätzliche Sitzbankreihen gebaut, es passen also 15 Personen rein. An großen
Bussammelstellen muss man zuerst herausfinden, welcher Bus grob in die richtige
Richtung (Tahrir Platz für uns) fährt und ihm dann erklären, wo man genau raus
möchte. Feste Haltestellen oder Ziele gibt es nicht, nur grobe Richtungen. Man
wird nach einer abenteuerlichen Fahrt dann in der Nähe von seinem Zielort
rausgelassen und ist für nur insgesamt 3,5 E.P. (ca. 40ct) zu zweit unterwegs
gewesen. Da wir nur in der Nähe vom Talaat Tarb Platz sind fragen wir einen
Mitfahrenden, in welche Richtung wir weiter müssen und laufen dort entlang.
Offensichtlich sahen wir aber ein bisschen verplant aus, denn ein anderer Mann
spricht uns an, ob er uns den Weg zeigen kann. Er zeigt uns den Weg in die
genau entgegengesetzte Richtung an
und bietet uns an, uns dort kurz hinzubegleiten (‚No Bakshish’).
Zufälligerweise kommen wir natürlich an seinem Laden vorbei. „I only give you
my card, ok? I will not sell you anything.“ Plötzlich zeigt er uns dann doch
Familienphotos, nötigt uns zu setzen und einen Tee mit ihm zu trinken – sonst
würden wir ihn ja beleidigen und dann erzählt er uns doch, dass er in dem Laden
Parfüm verkauft. Natürlich alles „family business“ und handgemacht und dann
sind auch schon die ersten Testproben auf unseren Händen, Preise genannt und
Fläschchen zum Abfüllen parat. Wir sagen ihm jedes Mal, dass wir nichts kaufen
wollen aber irgendwie schaffen die guten Geschäftsleute es dann doch einen zu
irgendetwas zu überreden (natürlich heiratet seine Schwester morgen und es wäre
ein gutes Omen). Jedes mal sagen wir, dass auch diese Menge zu groß ist und so
nimmt sein Kollege jedes mal kleinere Fläschchen aus dem Regal und unser
„Gastwirt“ fängt an Sachen umzufüllen, nach denen wir nie gefragt haben. So
aufdringlich wie er werden auch wir und weigern uns die Waren zu nehmen, bis er
dann doch einwilligt, uns wirklich nur 25ml zu verkaufen. Natürlich sind dann
doch 40 ml eingefüllt und vom Kollegen eingepackt, die wir aber uns weigern zu
bezahlen. Als ich auf dem Preis von 50E.P. für 25 ml beharre erklärt er sich dann
doch dazu bereit. Leider haben wir das Geld nicht passend, sondern nur 60 E.P.
Natürlich kann er uns keine 10 E.P herausgeben. „Now you give me 20 more E.P.“
... Warum? Naja, für 30 könnte man noch etwas kaufen. Wir bestehen aber auf
unserem Rückgeld, dass er dann doch „leider leider nicht hat“ und gibt uns
stattdessen einfach noch ein Fläschchen mit einer anderen Flüssigkeit mit. Wir
sind froh unserem „Bruder“, der er natürlich zwischenzeitlich ist, wieder zu
entkommen und schwören uns, nächstes Mal nicht mehr in irgendein Geschäft
entgegen unserer Wahl zu gehen. Vermutlich müssen das alle Touris am Anfang
erst einmal lernen, aber wer schon mal hier war, weiß sicherlich, dass es sehr
schwer wird. Unser „Bruder“ zeigt uns dann übrigens doch noch den Weg zum
Talaat Harb: die Richtung, aus der wir gekommen sind. Er hat uns also
absichtlich einen vollkommen falschen Weg gezeigt, um uns in sein Geschäft zu
locken. Wir haben übrigens natürlich nicht seine Karte bekommen – er aber dafür
einen gnadenlos ehrlichen Eintrag in seinem Gästebuch. Jedes kleine Geschäft
hat nämlich seine handschriftlichen Gästebücher, die man in seiner eigenen
Muttersprache ausfüllen muss, um Touristen Empfehlungen zu geben. Wäre ziemlich
witzig wenn mal ein deutscher Tourist unseren Eintrag zu lesen kriegt, auch
wenn wir es nicht wirklich glauben.
Tatsächlich an unserem Platz angekommen holen wir uns noch
sehr preisgünstiges, aber dennoch okayisches Takeaway-Food vom Felfela
gegenüber und essen auf unserem Hotelzimmer.
Ein paar Spielregeln und Dinge, die wir heute gelernt haben
in Kurzform:
-
Nette Menschen, die einen auf der Straße
ansprechen und einem etwas über die Stadt erzählen oder den Weg zeigen wollen
haben meistens ein Geschäft, in das sie dich mitnehmen wollen (vor allem, wenn
sie „no bakshish“ versprechen)
-
Sammelbusse sind extrem günstig und wenn man
Glück hat auch schnelle Fortbewegungsmittel (sie fahren aber erst los, wenn sie
voll besetzt sind)
-
Jeder Mensch ist dein bester Freund und dein
Bruder bzw. Schwester
-
Man kann wirklich immer über alles mögliche
verhandeln, auch im Hotel haben wir jetzt für die nächste Nacht einen
günstigeren Preis bekommen. Argumente sind zum Verhandeln erforderlich (Z.B.
‚We dont need Breakfast tomorrow, we will go out early...’). Ob auch erfundene
Argumente ziehen bleibt noch herauszufinden.
-
Du bist Tourist. Vermutlich egal wohin du gehst,
dich anziehst oder benimmst. Und sie wissen es.
-
Sandwiches sind hier übrigens kleine gefüllte
Fladenbrote und „Pastry“ runde gefüllte Teigtaschen (so ähnlich wie Yufka) in
Pizzaform und –größe. Und du kannst „Sandwiches“ natürlich mit allem bestellen
/ füllen: Pommes, Fleisch, Oliven, Reis, ...
-
Alles dauert nur „one minute“. Das ist dann auch
mal eine Viertelstunde. Vermutlich die englische Übersetzung von „bukra“
-
Deutschland ist natürlich das allerbeliebteste
Land der Ägypter und jeder war da schon mal
-
Tee- und Kaffeefreunde bekommen überall welchen
angeboten. Man sollte aber immer genau überlegen, wo man was trinkt, da das
dann auch oft in eine relativ verbindliche Geschäftssache hinein verläuft
-
Jeder möchte deinen Namen wissen. Auch wenn man
aneinander vorbeiläuft und sich nicht mehr sieht. Ist ungefähr zu vergleichen
mit dem „Hey, how are you?“ in Irland. Außerdem begrüßt dich jeder sehr
herzlich in Ägypten
-
Insgesamt sind die Ägypter hier alle
außerordentlich freundlich, offen und freuen sich wirklich auch Touristen zu
sehen. Die Englischkenntnisse sind stark schwankend von 0 Wörter bis hin zu
gutem Englisch mit einem Akzent, in den man sich aber auch erst mal einhören
muss.
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| Militär überall... |
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| Fahrrad-Brothändler |
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| Rifai Moschee und Sultan Hassan Moschee |
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| Der Brunnenhof der Mohammed-Ali-Moschee |
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| Ein Kreuz auf dem Kopftuch! |
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| Noch mehr vom Brunnenhof... |
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| In der Moschee |
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| Philine als neue Attraktion Kairos ;) |
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| Die (und viele andere) wollten alle jeweils ein Foto mit uns ;) |
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| Nochmal Mohammad-Ali-Moschee |
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| Außenfassade der Moschee |
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| Hier wird auf offener Straße gemetzgert ... |























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