Donnerstag, 25. September 2014

Handeln und Wandeln in Kairo


Obwohl man spätestens ab 7 Uhr morgens im Halbschlaf dank der Hupkonzerte auf der Straße ist, haben wir heute haben wir ein bisschen länger geschlafen, weil wir gestern doch recht müde waren und uns auch die Hitze ein bisschen ermüdet. Frühstück im Hotel war eher karg, vielleicht aber auch deshalb, weil wir es nicht kapiert haben, was man so alles bestellen könnte (es gibt kein Buffet, sondern Bedienung). Einige der anderen Gäste hatten zumindest durchaus ordentlich was bekommen. Wir werden es vermutlich übermorgen sehen (morgen gehen wir schon vor dem Frühstück aus dem Haus).
Danach wollten wir direkt los um uns ein paar Sehenswürdigkeiten von Kairo anzusehen und unter Umständen unterwegs eine ägyptische SIM-Karte zu kaufen (ich habe mit den Leuten von der Uni und vom Forschungsteam ausgemacht, dass ich das tun würde). Wir waren noch nicht weit gekommen, als uns ein netter Ägypter namens Ahmet (?), oder auch „Gabriel, that’s my grandfather’s name, it’s easier for you“ über die Gefahren der Straßenüberquerung in Kairo uns generell aufklärte. Natürlich wollte er wissen wo wir herkämen und was wir hier machten und natürlich war dann Deutschland auch sein Lieblingsland nach Ägypten und sein Cousin hat zufälligerweise ein „Bussiness“ wo man eine Straßenkarte bekommt (nach der wir ihn auch gefragt hatten). Also erstmal zum „Business“ seines Cousins (Ali), dass sich als eine Art Reisebüro kombiniert mit einem Touri-Kitsch-Laden herausstellte. Es gab auch Stadtpläne und wir waren erst ‚such nice people’ und dann ein paar Minuten und einen Tee später ‚friends’ und dann ‚like brother and sister to me’. Man bot uns neben der Straßenkarte und während das Tee-Trinkens verschiedene touristische Touren an, darunter a) Tagestour zu den Pyramiden von Gizeh, Sacchara und Memphis, b) 2-Tagestour ‚into the black and white desert’ mit Besuch und Übernachtung bei den Beduinen, sowie die Oasen Bahariya und Farfra und c) 4-Tages-Tour nach Assuan, Abu-Simbel und Luxor mit verschiedenene Besichtigungen alter Sehenswürdigkeiten und Nilbootsfahrt etc. Das Angebot für die Pyramidentour (20 Euro für uns zwei, beziehungsweise 30 wenn es von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geht) klang für uns ganz fair (obwohl wir natürlich keine Ahnung haben, zuvor hatten wir ein anderes Angebot im Hotel für 25US-$ erhalten) und wir hatten auch Lust auf die Wüstentour, also haben wir mal das Kombo-Paket gewählt. Nach ein bisschen Verhandeln, wo wir uns vermutlich nicht so gut geschlagen haben, haben wir den Gesamtpreis noch insg. drei mal etwas gedrückt und uns für morgen früh um 4 Uhr zur Tour verabredet.
"But don't call Osama Bin Laden, because then I would go to jail!"
Im Anschluss gingen wir dann mit ‚Gabriel’ noch eine SIM-Karte kaufen, er behauptete dass ginge nur mit Ägyptischer ID-Card. Keine Ahnung ob das gestimmt hat, aber es war sicher nicht verkehrt einen arabischsprachigen Helfer zu haben. Also habe ich jetzt unter eines Anderen Namen eine SIM-Karte und ein neues Handy für insgesamt 220 EGP, also etwa 20 Euro, gekauft.

Als wir dann eigentlich weiter in die Stadt wollten, wurden wir dann auch noch angesprochen, ob wir nicht Lust hätten für einen „guten Freund, der bald heiratet“ Alkohol im Duty-Free Shop zu kaufen – das dürfe man ja nicht als guter Moslem... hinter solchen Angeboten stehen dann doch wohl eher keine Hochzeiten, sondern vielmehr ein gutes Geschäft, wo man sich als Tourist besser raushalten sollte, für so was gibt’s dann auch einen Eintrag im Reisepass – muss ja nicht sein!
Panorama von der Zitadelle aus
 Nachdem wir uns diesmal vorher informieren konnten, was man so ungefähr mit dem Taxifahrer ausmachen sollte, sind wir dann für 20 E.P (2€) hoch zur Zitadelle von Cairo gefahren. Von der im 12. Jhd erbauten Festung auf einem Hügel genießt man einen herrlichen Blick über Cairo, den man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. Mit etwas Glück sieht man manchmal in dem Panorama in der Ferne sogar die Pyramiden, doch das blieb uns heute leider verwehrt.
Mohammed-Ali-Moschee
Das mit Sicherheit sehenswerteste auf der Citadelle oben ist die Mohammed-Ali-Moschee (auch Alabastermoschee) aus dem 19. Jahrhundert, deren riesige Kuppeln innen mit zahlreichen kleinen Leuchten und gigantischen Kronleuchtern abends angeleuchtet werden. Davor befindet sich noch ein offener Hof, in dem man auch Waschungen vornehmen kann. Für alle Moscheen gilt natürlich, dass man unbedingt die Schuhe ausziehen sollte (manche Touris haben auch stattdessen Plastiküberzieher für die Schuhe (5 E.P) genommen), sich als Frau verhüllen (Kopf bzw. ggf. Arme) und als Mann lange Hosen tragen sollte. Obwohl eigentlich jeder, der ein islamisch geprägtes Land betritt diese Spielregeln bereits gehört hat, finden wir trotzdem Frauen ohne Kopftuch vor, was wir doch etwas irritierend finden. Spätestens seit dem Betreten der Moschee jedoch ist die wahre Attraktion nicht mehr die Moschee, sondern wir. Gefühlt hunderte, jedoch bis zum Verlassen der Citadelle mit Sicherheit 50 vor allem junge Menschen wollen sich unbedingt mit uns fotografieren lassen. Anfangs fotografieren sie uns immer zuerst heimlich, sobald aber jemand uns fragt und wir uns mit ihnen ablichten lassen stehen auf einmal bis zu 20 Menschen um uns rum, zücken alle ihre Handys und wollen sich allesamt in verschiedenen Konstellationen ablichten lassen. Dabei wird man immer sofort nach Name und Herkunftsland gefragt. Später wird die Philine auch angesprochen, warum sie (außerhalb der Moschee) ein Kopftuch trägt. Wir besichtigen auch noch die El-Nasir Moschee auf der Citadelle, die längst nicht so prunkvoll ist wie die Mohammed-Ali Moschee, aber dennoch ihren eigenen Reiz hat – der Großteil davon ist unter freiem Himmel.
Wieder auf dem Weg zurück streifen wir kurz durch viele Straßenverkaufsstände als Art Bazar und machen uns dann auf die Suche nach einem Minibus-Gruppentaxi. Diese Kleinbusse sind ein recht praktisches und vor allem günstiges Verkehrsmittel, wenn man es nicht eilig hat und etwas erleben möchte. In den Bus, der etwa so groß wie ein VW-Bus ist hat man zwei zusätzliche Sitzbankreihen gebaut, es passen also 15 Personen rein. An großen Bussammelstellen muss man zuerst herausfinden, welcher Bus grob in die richtige Richtung (Tahrir Platz für uns) fährt und ihm dann erklären, wo man genau raus möchte. Feste Haltestellen oder Ziele gibt es nicht, nur grobe Richtungen. Man wird nach einer abenteuerlichen Fahrt dann in der Nähe von seinem Zielort rausgelassen und ist für nur insgesamt 3,5 E.P. (ca. 40ct) zu zweit unterwegs gewesen. Da wir nur in der Nähe vom Talaat Tarb Platz sind fragen wir einen Mitfahrenden, in welche Richtung wir weiter müssen und laufen dort entlang. 
Offensichtlich sahen wir aber ein bisschen verplant aus, denn ein anderer Mann spricht uns an, ob er uns den Weg zeigen kann. Er zeigt uns den Weg in die genau entgegengesetzte Richtung an  und bietet uns an, uns dort kurz hinzubegleiten (‚No Bakshish’). Zufälligerweise kommen wir natürlich an seinem Laden vorbei. „I only give you my card, ok? I will not sell you anything.“ Plötzlich zeigt er uns dann doch Familienphotos, nötigt uns zu setzen und einen Tee mit ihm zu trinken – sonst würden wir ihn ja beleidigen und dann erzählt er uns doch, dass er in dem Laden Parfüm verkauft. Natürlich alles „family business“ und handgemacht und dann sind auch schon die ersten Testproben auf unseren Händen, Preise genannt und Fläschchen zum Abfüllen parat. Wir sagen ihm jedes Mal, dass wir nichts kaufen wollen aber irgendwie schaffen die guten Geschäftsleute es dann doch einen zu irgendetwas zu überreden (natürlich heiratet seine Schwester morgen und es wäre ein gutes Omen). Jedes mal sagen wir, dass auch diese Menge zu groß ist und so nimmt sein Kollege jedes mal kleinere Fläschchen aus dem Regal und unser „Gastwirt“ fängt an Sachen umzufüllen, nach denen wir nie gefragt haben. So aufdringlich wie er werden auch wir und weigern uns die Waren zu nehmen, bis er dann doch einwilligt, uns wirklich nur 25ml zu verkaufen. Natürlich sind dann doch 40 ml eingefüllt und vom Kollegen eingepackt, die wir aber uns weigern zu bezahlen. Als ich auf dem Preis von 50E.P. für 25 ml beharre erklärt er sich dann doch dazu bereit. Leider haben wir das Geld nicht passend, sondern nur 60 E.P. Natürlich kann er uns keine 10 E.P herausgeben. „Now you give me 20 more E.P.“ ... Warum? Naja, für 30 könnte man noch etwas kaufen. Wir bestehen aber auf unserem Rückgeld, dass er dann doch „leider leider nicht hat“ und gibt uns stattdessen einfach noch ein Fläschchen mit einer anderen Flüssigkeit mit. Wir sind froh unserem „Bruder“, der er natürlich zwischenzeitlich ist, wieder zu entkommen und schwören uns, nächstes Mal nicht mehr in irgendein Geschäft entgegen unserer Wahl zu gehen. Vermutlich müssen das alle Touris am Anfang erst einmal lernen, aber wer schon mal hier war, weiß sicherlich, dass es sehr schwer wird. Unser „Bruder“ zeigt uns dann übrigens doch noch den Weg zum Talaat Harb: die Richtung, aus der wir gekommen sind. Er hat uns also absichtlich einen vollkommen falschen Weg gezeigt, um uns in sein Geschäft zu locken. Wir haben übrigens natürlich nicht seine Karte bekommen – er aber dafür einen gnadenlos ehrlichen Eintrag in seinem Gästebuch. Jedes kleine Geschäft hat nämlich seine handschriftlichen Gästebücher, die man in seiner eigenen Muttersprache ausfüllen muss, um Touristen Empfehlungen zu geben. Wäre ziemlich witzig wenn mal ein deutscher Tourist unseren Eintrag zu lesen kriegt, auch wenn wir es nicht wirklich glauben.
Tatsächlich an unserem Platz angekommen holen wir uns noch sehr preisgünstiges, aber dennoch okayisches Takeaway-Food vom Felfela gegenüber und essen auf unserem Hotelzimmer.

Ein paar Spielregeln und Dinge, die wir heute gelernt haben in Kurzform:
-       Nette Menschen, die einen auf der Straße ansprechen und einem etwas über die Stadt erzählen oder den Weg zeigen wollen haben meistens ein Geschäft, in das sie dich mitnehmen wollen (vor allem, wenn sie „no bakshish“ versprechen)
-       Sammelbusse sind extrem günstig und wenn man Glück hat auch schnelle Fortbewegungsmittel (sie fahren aber erst los, wenn sie voll besetzt sind)
-       Jeder Mensch ist dein bester Freund und dein Bruder bzw. Schwester
-       Man kann wirklich immer über alles mögliche verhandeln, auch im Hotel haben wir jetzt für die nächste Nacht einen günstigeren Preis bekommen. Argumente sind zum Verhandeln erforderlich (Z.B. ‚We dont need Breakfast tomorrow, we will go out early...’). Ob auch erfundene Argumente ziehen bleibt noch herauszufinden.
-       Du bist Tourist. Vermutlich egal wohin du gehst, dich anziehst oder benimmst. Und sie wissen es.
-       Sandwiches sind hier übrigens kleine gefüllte Fladenbrote und „Pastry“ runde gefüllte Teigtaschen (so ähnlich wie Yufka) in Pizzaform und –größe. Und du kannst „Sandwiches“ natürlich mit allem bestellen / füllen: Pommes, Fleisch, Oliven, Reis, ...
-       Alles dauert nur „one minute“. Das ist dann auch mal eine Viertelstunde. Vermutlich die englische Übersetzung von „bukra“
-       Deutschland ist natürlich das allerbeliebteste Land der Ägypter und jeder war da schon mal
-       Tee- und Kaffeefreunde bekommen überall welchen angeboten. Man sollte aber immer genau überlegen, wo man was trinkt, da das dann auch oft in eine relativ verbindliche Geschäftssache hinein verläuft
-       Jeder möchte deinen Namen wissen. Auch wenn man aneinander vorbeiläuft und sich nicht mehr sieht. Ist ungefähr zu vergleichen mit dem „Hey, how are you?“ in Irland. Außerdem begrüßt dich jeder sehr herzlich in Ägypten

-       Insgesamt sind die Ägypter hier alle außerordentlich freundlich, offen und freuen sich wirklich auch Touristen zu sehen. Die Englischkenntnisse sind stark schwankend von 0 Wörter bis hin zu gutem Englisch mit einem Akzent, in den man sich aber auch erst mal einhören muss.


Militär überall...

Fahrrad-Brothändler

Rifai Moschee und Sultan Hassan Moschee


Der Brunnenhof der Mohammed-Ali-Moschee
Ein Kreuz auf dem Kopftuch!
Noch mehr vom Brunnenhof...


In der Moschee



Philine als neue Attraktion Kairos ;)




Die (und viele andere) wollten alle jeweils ein Foto mit uns ;)

Nochmal Mohammad-Ali-Moschee
Außenfassade der Moschee
Hier wird auf offener Straße gemetzgert ...



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