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| Zart im Hintergrund: Mykerinos, Chephren, Cheops |
Heute morgen sind wir recht früh aufgestanden, da uns schon
um 4 bzw. 5 Uhr (heute Nacht war Zeitumstellung) Ali Richtung Pyramiden von
Gizeh abholte, damit wir den Sonnenaufgang dort erleben können. In dem Ort
Gizeh trafen wir dann den Beduinen, der uns per Kamel zu einem Punkt außerhalb
des Pyramidengelände bringen sollte, da das Gelände erst um 8 Uhr öffnet. Dort
angekommen gab es mal wieder ein paar Businessgespräche. Er hatte absurd
horrende Preisvorstellungen (150€ pro Person für den ganzen Tag mit Kamel,
Pferd und Eintritt), wo man auch Ali anmerkte, dass selbst er als Touri-Geschäftsmann
das zu hoch gegriffen fand. Wir verhandelten also ziemlich lange, aber unter
Zeitdruck, da wir ja den Sonnenaufgang sehen wollten und einigten uns dann auf
eine reduzierte und deutlich bezahlbare Form und ritten dann hoch zu Kamel
gemeinsam mit unserem Führer Mohmed (auf einem Pferd unterwegs) in die Wüste
neben dem Pyramidengelände. Anfangs, in den Straßen von Gizeh war es noch
relativ dunkel, aber als wir die Wüste betraten war es schon hell – der
Sonnenaufgang ist dank des Wüstenstaubes doch etwas zeitversetzt zur
Helligkeit. So ein Kamel ist schon ein ziemlich großes Tier (vor allem für
kleine Menschen J)
und vor allem das Auf- und Absteigen, bei denen sich das Kamel auf den Boden
legt und dann wieder aufsteht ist ziemlich wacklig und absturzgefährdend. Der
Ritt verlief aber wunderbar und unser „Wüstenschiff“ schaukelte uns gemütlichen
Fußes zu den Sanddünen des beginnenden Wüstenmeeres, während an uns dutzende
Ägypter auf Pferden umherheizten – ein anderer Ausdruck passt wohl nicht, da
sie wirklich schnellen Galopps unterwegs waren, mit ihren Gerten-Peitschen
knallten und alles vor und hinter sich in einem Wirbel aus Staub, Sand und
Geschrei hinterließen – wohl ein Hobby mancher ansässiger Stallinhaber...
entsprechend muss man auch leider sagen, dass man nicht das Gefühl hat, dass es
den Tieren gut geht. Viele sind relativ abgemagert und haben vereinzelt auch
wunde Stellen, trotzdem werden sie eingesetzt. Auch der ausgiebige Gebrauch von
Peitschen (auch bei fremden Tieren, an denen man eben gerade so vorbeireitet)
ist hier Gang und Gäbe.
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| Sonnenaufgang |
Wir überquerten einige Hügel, Dünen und unzählige
Sandkörner, bis wir einen guten Platz erreichten, um den Sonnenaufgang und die
in der Ferne langsam durch den Staub schimmernden Pyramiden zu beobachten.
Natürlich sind auch hier einige Photos entstanden, die aber bei Weitem nicht
die Schönheit, Eindrücke, Stimmung und die beginnende Weite der Wüste
darstellen können.
Nach den atemberaubenden Momenten dieses frühen Morgens
kehrten wir zum Beduinen zurück, der uns wie versprochen ein traditionelles
Frühstück servierte, was ganz hervorragend war. Neben einem großen Haufen
Fladenbroten gab es viele kleine Schüsseln mit verschiedenen sehr deftigen
Gerichten, wie etwa dem Foul (eine Art Bohnenpaste), Tahina (Sesampaste),
verschiedenen Gemüsen, wie etwa Auberginen, gut scharfen grünen Pfefferoni und
Tomaten, sowie Gurken – die wir wegen der allgemeinen Warnung vor nicht
geschältem oder gekochtem Essen leider stehen lassen mussten. Insbesondere das
Foul war extrem köstlich – das wollen wir nun bei Gelegenheit mal in
verschiedenen Varianten probieren (das Gericht ist sehr populär, aber jeder
macht es etwas anders und nach eigenem Familienrezept).
Inzwischen hatte das Pyramidengelände geöffnet und wir
ritten – diesmal zu Pferd – wieder mit Mohmed durch einen eher nicht so
touristisch geprägten Seiteneingang diesmal zu den Pyramiden selbst hin. Die
Pyramiden von Gizeh bestehen aus 9 Pyramiden: 3 großen, z.B. der
Cheops-Pyramide und 6 weiteren kleinen, sowie natürlich der Sphinx. Die Besichtigung
der Sphinx stand als erstes auf dem Programm. Leider hatte unser ‚Führer’, der
im All-inclusive-Paket enthalten war, nur ein sehr begrenztes bis falsches
Wissen über das kleine, aber feine Bauwerk – soviel konnten sogar wir
beurteilen. Spätestens als er dann erzählte, dass er schon seit er 5 ist, also
19 Jahre, hier arbeite und uns seinen amtlichen Führerausweis in Form eines
Ägyptischen Personalausweises zeigte war uns eigentlich klar, dass er kein
wirklicher ‚Guide’ war. Wir können euch also leider nicht mehr Informationen
bieten als ihr im Internet oder in Reiseführern eh finden würdet. Aber er
machte ganz lustige Photos von uns und wir spielten das Spiel mal mit, immer im
Versuch seinen Schnelldurchlauf durch das Sphinx-Areal ein bisschen abzubremsen.
Nach der Sphinx ging es dann an der Cheopspyramide vorbei
zur Chephrenpyramide. Dort hielten wir wieder an und konnten sogar in das
Innere der Pyramide hineingehen, Kameras sind dort leider verboten. Der Weg in
die Pyramide ist sehr niedrig - nicht mal die Philine konnte dort aufrecht
stehen – und die Luft ist logischerweise auch nicht sonderlich toll. Als wir in
einer Art Vorraumkammer ankamen – auch hier haben wir keine genaueren
Informationen – und uns dort eben ein wenig umsehen wollten ging plötzlich das
Licht aus, wobei uns bis jetzt nicht klar ist ob das das Zeichen für „Hey ihr
da, raus jetzt, die nächsten kommen“ oder ein Stromausfall, ein atmosphärischer
Gag oder sonst was gewesen ist. Vorsorglicherweise hatte die Philine unsere
Taschenlampe in den Rucksack gepackt und so war es nicht weiter schlimm, aber wir
beschlossen wieder hinauszugehen (Ohne Erklärung gab es leider eh nicht
wirklich was zu bewundern). Draußen angekommen und gerade am weiterreiten
fielen wir dann auf den Touristen-Polizisten-Trick rein, soll heißen die
Pyramidenpolizei, in stolzer Uniform und hoch zu Kamele, bot uns freundlich an
ein Photo von ihnen zu machen und wollte dann natürlich auch ein Bakshish dafür
haben. Bei so Uniformierten weiß man ja nie, also bekamen sie natürlich ein
kleines Bakshish und es ging weiter zur Pyramide des Mykerinos, der kleinsten
der drei Bekannten. Weil dort wenig los war und wir uns auch mal ein bisschen
umsehen wollten baten wir Mohmed um eine kleine Pause und darum ein bisschen
herumzuwandern. Er schlug vor, dass wir auch auf die Pyramide hinaufklettern
könnten. Wir wussten ja, dass das nicht erlaubt ist und teilten ihm unsere
Bedenken mit, aber er meinte ‚No, it`s okay, it’s only forbidden on the
Mainside’. Auch hier war uns klar, dass das so nicht stimmen würde, aber nach
einer weiteren Versicherung bei unserem Begleiter und ‚good Friend’ (er war
wirklich ein sehr netter Kerl) wagte sich der Schwaig ein wenig die Stufen
hinauf, die Philine blieb vorsichtshalber mit der Kamera mal unten. Natürlich
kam nach einigen Metern die Pyramidenpolizei auf den Kamelen vorbei und
protestierte. Mohmed schaffte es sie davon zu überzeugen, dass das schon okay
so wäre (Keine Ahnung welche Deals er ausgehandelt hat). Also stieg der Schwaig
noch ein wenig weiter. Ein wenig später kam der Frontwächter um die Ecke, er
war weniger nachgiebig und der Schwaig durfte nicht weiterklettern, aber
immerhin durfte die Philine noch ein paar Bilder machen bevor er wieder runter
musste. Die Pyramidenpolizei wollte natürlich eine Entlohnung für ihre gute
Bewachung der Pyramide aber diesmal entschieden wir uns auf Berufung unseres
guten Mohmed dagegen (vor allem wollte der Schwaig tatsächlich mal sehen was
dann passieren würde). Interessanterweise zogen sie etwas enttäuscht aber ohne
Widerworte einfach weiter. Mohmed schien das irgendwie gefallen zu haben, als
sie weg waren grinste er und meinte das hätte ihm gefallen.
Im Anschluss ging es noch hinter die Pyramide, wo die
Philine noch nach hübschen Steinen gesucht hat und dann weiter zum
‚Panorama-Point’. Nach einigen weiteren Photos ging es dann im Galopp zurück
zum Ausgang und den Ställen.
Dort angekommen hatten wir ein bisschen Ruhezeit im Schatten
und anschließend ging es mit Ali und seinem Auto weiter Richtung den Stufenpyramiden
von Sakkara, bei denen wir die bekannteste, die Stufenpyramide des Djosr, zu
Fuß näher erkundeten. Da wir schon etwas erschöpft waren wimmelten wir alle
Getränkeverkäufer und Führer relativ entschlossen ab (hoffentlich haben wir sie
dabei nicht beleidigt) und besichtigten das Gelände zu Zweit und unter
Zuhilfenahme unseres (Buch-)Reiseführers. Das war eine gute Wahl, denn so
konnten wir uns alles in Ruhe anschauen und dieses ca. 4700 Jahre alte Bauwerk
in seiner altehrwürdigen Schönheit genießen. Irgendwann kamen wir dann doch mit
einem sehr netten Mann ins Gespräch. Wir schlugen zwar seinen Eselsritt aus,
unterhielten uns aber sehr nett mit ihm und schenkten ihn unsere Kaugummis für
seine Kinder, als er uns darum bat. Über das Pyramidenareal und den Rest des
Tages wollen wir nun nicht mehr allzu viele Worte verlieren, denn ihr, liebe
Leser, seid sicher nach all dem Text schon genauso müde wie wir jetzt.
Das Areal von Sakkara war auf jeden Fall sehr schön und
danach ging es relativ unspektakulär zurück nach Kairo, wo wir einen ruhigen
Abend (mit viel Schreiben) verbrachten. Kurz erwähnt werden muss dann aber doch
noch das ausgezeichnete Abendessen. Wir waren wieder im „Felfela“, aber nicht
dem Take-Away Laden, sondern dem Restaurant (ungefährer Vergleich: Schuhbecks
Tiefkühlkost vs. Theatro), das traditionelles, hervorragendes, Essen in einer übertrieben
Alicewunderwelt-dekorierten Atmosphäre anbietet mit einem Kellneraufgebot, wie
man es vielleicht in einem Viel-Sterne-Dingens erwarten würde. Außerdem gab es
frisch gepresste Fruchtsäfte (nicht zu vergleichen mit Deutschland! Das Obst
ist wirklich gut und reif geerntet) und direkt neben unserem Sitzplatz statt
einem Aquarium ein Vogelkäfig mit Tauben – gefüllte und / oder gegrillte Tauben
sind eine Delikatesse hierzulande.
Bis dann, der nächste Post kommt leider nicht morgen, weil
wir da in der Wüste sind, aber wir werden es nachholen, versprochen.
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| Leider war das Kamel für die Dunkelheit zu wacklig... |
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| Sonnenaufgang im 'Wüstencafe' aka Einheimischen-Coucheck |
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| Zu Kamel (Touri-Reitstil) |
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| Zu Kamel (versuchter Ägypter-Reitstil) |
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| Auf- und Absitzen will gelernt sein |
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| Das wirklich köstliche Frühstück (nach dem Essen!) |
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| Und dann zu Pferde. |
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| Nur für den Dani ;) |
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| Vor der Chephren-Pyramide |
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| Die Pyramidenplozilei |
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| Ein Stück die Mykerinos-Pyramide hoch |
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| Und nochmal ein Blick auf Chephren (von der Rückseite der Mykerinos aus) |
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| Überbleibsel (oder Rekonstruktion) der 'Säulenhalle' |
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| Stufenpyramide des Djosr |
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| Vermutlich Rekonstruktion der äußeren Mauer |
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| Der nette alte Mann mit dem Esel |
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