Freitag, 26. September 2014

Gizeh und Sakkara

Zart im Hintergrund: Mykerinos, Chephren, Cheops
Heute morgen sind wir recht früh aufgestanden, da uns schon um 4 bzw. 5 Uhr (heute Nacht war Zeitumstellung) Ali Richtung Pyramiden von Gizeh abholte, damit wir den Sonnenaufgang dort erleben können. In dem Ort Gizeh trafen wir dann den Beduinen, der uns per Kamel zu einem Punkt außerhalb des Pyramidengelände bringen sollte, da das Gelände erst um 8 Uhr öffnet. Dort angekommen gab es mal wieder ein paar Businessgespräche. Er hatte absurd horrende Preisvorstellungen (150€ pro Person für den ganzen Tag mit Kamel, Pferd und Eintritt), wo man auch Ali anmerkte, dass selbst er als Touri-Geschäftsmann das zu hoch gegriffen fand. Wir verhandelten also ziemlich lange, aber unter Zeitdruck, da wir ja den Sonnenaufgang sehen wollten und einigten uns dann auf eine reduzierte und deutlich bezahlbare Form und ritten dann hoch zu Kamel gemeinsam mit unserem Führer Mohmed (auf einem Pferd unterwegs) in die Wüste neben dem Pyramidengelände. Anfangs, in den Straßen von Gizeh war es noch relativ dunkel, aber als wir die Wüste betraten war es schon hell – der Sonnenaufgang ist dank des Wüstenstaubes doch etwas zeitversetzt zur Helligkeit. So ein Kamel ist schon ein ziemlich großes Tier (vor allem für kleine Menschen J) und vor allem das Auf- und Absteigen, bei denen sich das Kamel auf den Boden legt und dann wieder aufsteht ist ziemlich wacklig und absturzgefährdend. Der Ritt verlief aber wunderbar und unser „Wüstenschiff“ schaukelte uns gemütlichen Fußes zu den Sanddünen des beginnenden Wüstenmeeres, während an uns dutzende Ägypter auf Pferden umherheizten – ein anderer Ausdruck passt wohl nicht, da sie wirklich schnellen Galopps unterwegs waren, mit ihren Gerten-Peitschen knallten und alles vor und hinter sich in einem Wirbel aus Staub, Sand und Geschrei hinterließen – wohl ein Hobby mancher ansässiger Stallinhaber... entsprechend muss man auch leider sagen, dass man nicht das Gefühl hat, dass es den Tieren gut geht. Viele sind relativ abgemagert und haben vereinzelt auch wunde Stellen, trotzdem werden sie eingesetzt. Auch der ausgiebige Gebrauch von Peitschen (auch bei fremden Tieren, an denen man eben gerade so vorbeireitet) ist hier Gang und Gäbe.
Sonnenaufgang
Wir überquerten einige Hügel, Dünen und unzählige Sandkörner, bis wir einen guten Platz erreichten, um den Sonnenaufgang und die in der Ferne langsam durch den Staub schimmernden Pyramiden zu beobachten. Natürlich sind auch hier einige Photos entstanden, die aber bei Weitem nicht die Schönheit, Eindrücke, Stimmung und die beginnende Weite der Wüste darstellen können.
Nach den atemberaubenden Momenten dieses frühen Morgens kehrten wir zum Beduinen zurück, der uns wie versprochen ein traditionelles Frühstück servierte, was ganz hervorragend war. Neben einem großen Haufen Fladenbroten gab es viele kleine Schüsseln mit verschiedenen sehr deftigen Gerichten, wie etwa dem Foul (eine Art Bohnenpaste), Tahina (Sesampaste), verschiedenen Gemüsen, wie etwa Auberginen, gut scharfen grünen Pfefferoni und Tomaten, sowie Gurken – die wir wegen der allgemeinen Warnung vor nicht geschältem oder gekochtem Essen leider stehen lassen mussten. Insbesondere das Foul war extrem köstlich – das wollen wir nun bei Gelegenheit mal in verschiedenen Varianten probieren (das Gericht ist sehr populär, aber jeder macht es etwas anders und nach eigenem Familienrezept).
Inzwischen hatte das Pyramidengelände geöffnet und wir ritten – diesmal zu Pferd – wieder mit Mohmed durch einen eher nicht so touristisch geprägten Seiteneingang diesmal zu den Pyramiden selbst hin. Die Pyramiden von Gizeh bestehen aus 9 Pyramiden: 3 großen, z.B. der Cheops-Pyramide und 6 weiteren kleinen, sowie natürlich der Sphinx. Die Besichtigung der Sphinx stand als erstes auf dem Programm. Leider hatte unser ‚Führer’, der im All-inclusive-Paket enthalten war, nur ein sehr begrenztes bis falsches Wissen über das kleine, aber feine Bauwerk – soviel konnten sogar wir beurteilen. Spätestens als er dann erzählte, dass er schon seit er 5 ist, also 19 Jahre, hier arbeite und uns seinen amtlichen Führerausweis in Form eines Ägyptischen Personalausweises zeigte war uns eigentlich klar, dass er kein wirklicher ‚Guide’ war. Wir können euch also leider nicht mehr Informationen bieten als ihr im Internet oder in Reiseführern eh finden würdet. Aber er machte ganz lustige Photos von uns und wir spielten das Spiel mal mit, immer im Versuch seinen Schnelldurchlauf durch das Sphinx-Areal ein bisschen abzubremsen.
Nach der Sphinx ging es dann an der Cheopspyramide vorbei zur Chephrenpyramide. Dort hielten wir wieder an und konnten sogar in das Innere der Pyramide hineingehen, Kameras sind dort leider verboten. Der Weg in die Pyramide ist sehr niedrig - nicht mal die Philine konnte dort aufrecht stehen – und die Luft ist logischerweise auch nicht sonderlich toll. Als wir in einer Art Vorraumkammer ankamen – auch hier haben wir keine genaueren Informationen – und uns dort eben ein wenig umsehen wollten ging plötzlich das Licht aus, wobei uns bis jetzt nicht klar ist ob das das Zeichen für „Hey ihr da, raus jetzt, die nächsten kommen“ oder ein Stromausfall, ein atmosphärischer Gag oder sonst was gewesen ist. Vorsorglicherweise hatte die Philine unsere Taschenlampe in den Rucksack gepackt und so war es nicht weiter schlimm, aber wir beschlossen wieder hinauszugehen (Ohne Erklärung gab es leider eh nicht wirklich was zu bewundern). Draußen angekommen und gerade am weiterreiten fielen wir dann auf den Touristen-Polizisten-Trick rein, soll heißen die Pyramidenpolizei, in stolzer Uniform und hoch zu Kamele, bot uns freundlich an ein Photo von ihnen zu machen und wollte dann natürlich auch ein Bakshish dafür haben. Bei so Uniformierten weiß man ja nie, also bekamen sie natürlich ein kleines Bakshish und es ging weiter zur Pyramide des Mykerinos, der kleinsten der drei Bekannten. Weil dort wenig los war und wir uns auch mal ein bisschen umsehen wollten baten wir Mohmed um eine kleine Pause und darum ein bisschen herumzuwandern. Er schlug vor, dass wir auch auf die Pyramide hinaufklettern könnten. Wir wussten ja, dass das nicht erlaubt ist und teilten ihm unsere Bedenken mit, aber er meinte ‚No, it`s okay, it’s only forbidden on the Mainside’. Auch hier war uns klar, dass das so nicht stimmen würde, aber nach einer weiteren Versicherung bei unserem Begleiter und ‚good Friend’ (er war wirklich ein sehr netter Kerl) wagte sich der Schwaig ein wenig die Stufen hinauf, die Philine blieb vorsichtshalber mit der Kamera mal unten. Natürlich kam nach einigen Metern die Pyramidenpolizei auf den Kamelen vorbei und protestierte. Mohmed schaffte es sie davon zu überzeugen, dass das schon okay so wäre (Keine Ahnung welche Deals er ausgehandelt hat). Also stieg der Schwaig noch ein wenig weiter. Ein wenig später kam der Frontwächter um die Ecke, er war weniger nachgiebig und der Schwaig durfte nicht weiterklettern, aber immerhin durfte die Philine noch ein paar Bilder machen bevor er wieder runter musste. Die Pyramidenpolizei wollte natürlich eine Entlohnung für ihre gute Bewachung der Pyramide aber diesmal entschieden wir uns auf Berufung unseres guten Mohmed dagegen (vor allem wollte der Schwaig tatsächlich mal sehen was dann passieren würde). Interessanterweise zogen sie etwas enttäuscht aber ohne Widerworte einfach weiter. Mohmed schien das irgendwie gefallen zu haben, als sie weg waren grinste er und meinte das hätte ihm gefallen.
Im Anschluss ging es noch hinter die Pyramide, wo die Philine noch nach hübschen Steinen gesucht hat und dann weiter zum ‚Panorama-Point’. Nach einigen weiteren Photos ging es dann im Galopp zurück zum Ausgang und den Ställen.
Dort angekommen hatten wir ein bisschen Ruhezeit im Schatten und anschließend ging es mit Ali und seinem Auto weiter Richtung den Stufenpyramiden von Sakkara, bei denen wir die bekannteste, die Stufenpyramide des Djosr, zu Fuß näher erkundeten. Da wir schon etwas erschöpft waren wimmelten wir alle Getränkeverkäufer und Führer relativ entschlossen ab (hoffentlich haben wir sie dabei nicht beleidigt) und besichtigten das Gelände zu Zweit und unter Zuhilfenahme unseres (Buch-)Reiseführers. Das war eine gute Wahl, denn so konnten wir uns alles in Ruhe anschauen und dieses ca. 4700 Jahre alte Bauwerk in seiner altehrwürdigen Schönheit genießen. Irgendwann kamen wir dann doch mit einem sehr netten Mann ins Gespräch. Wir schlugen zwar seinen Eselsritt aus, unterhielten uns aber sehr nett mit ihm und schenkten ihn unsere Kaugummis für seine Kinder, als er uns darum bat. Über das Pyramidenareal und den Rest des Tages wollen wir nun nicht mehr allzu viele Worte verlieren, denn ihr, liebe Leser, seid sicher nach all dem Text schon genauso müde wie wir jetzt.
Das Areal von Sakkara war auf jeden Fall sehr schön und danach ging es relativ unspektakulär zurück nach Kairo, wo wir einen ruhigen Abend (mit viel Schreiben) verbrachten. Kurz erwähnt werden muss dann aber doch noch das ausgezeichnete Abendessen. Wir waren wieder im „Felfela“, aber nicht dem Take-Away Laden, sondern dem Restaurant (ungefährer Vergleich: Schuhbecks Tiefkühlkost vs. Theatro), das traditionelles, hervorragendes, Essen in einer übertrieben Alicewunderwelt-dekorierten Atmosphäre anbietet mit einem Kellneraufgebot, wie man es vielleicht in einem Viel-Sterne-Dingens erwarten würde. Außerdem gab es frisch gepresste Fruchtsäfte (nicht zu vergleichen mit Deutschland! Das Obst ist wirklich gut und reif geerntet) und direkt neben unserem Sitzplatz statt einem Aquarium ein Vogelkäfig mit Tauben – gefüllte und / oder gegrillte Tauben sind eine Delikatesse hierzulande.

Bis dann, der nächste Post kommt leider nicht morgen, weil wir da in der Wüste sind, aber wir werden es nachholen, versprochen.

Leider war das Kamel für die Dunkelheit zu wacklig...
Sonnenaufgang im 'Wüstencafe' aka Einheimischen-Coucheck
Zu Kamel (Touri-Reitstil)
Zu Kamel (versuchter Ägypter-Reitstil)
Auf- und Absitzen will gelernt sein
Das wirklich köstliche Frühstück (nach dem Essen!)
Und dann zu Pferde.
Nur für den Dani ;)
Vor der Chephren-Pyramide
Die Pyramidenplozilei
Ein Stück die Mykerinos-Pyramide hoch
Und nochmal ein Blick auf Chephren (von der Rückseite der Mykerinos aus)
Überbleibsel (oder Rekonstruktion) der 'Säulenhalle'
Stufenpyramide des Djosr

Vermutlich Rekonstruktion der äußeren Mauer
Der nette alte Mann mit dem Esel

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